01.Juni-2026 /P-headli.-cont.-red./488[163(38-22)]/CLA-324/13-2026

Verantwortung? Ach ja â die Sache mit dem Geld, das im Haushalt 2026 fehlt.
Crivitz steht im Jahr 2026 an einem Punkt, an dem man den BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern nicht lĂ€nger vormachen kann, alles sei in bester Ordnung â auch wenn die CWG â Crivitz Fraktion genau das weiterhin behauptet und den Haushalt in der letzten Stadtvertretersitzung so entschlossen durchgeboxt hat, als handele es sich um ein finanzpolitisches MeisterstĂŒck. Seit Jahren begleitet diese Fraktion der beruhigende Standardsatz, man werde âdas schon irgendwie hinbekommenâ, ein Satz, der so oft wiederholt wurde, dass er fast wie eine Haushaltsstrategie klang.

Ironischerweise hat dieses vermeintliche Hinbekommen vor allem eines bewirkt: Die RĂŒcklagen, die eigentlich fĂŒr investive Zwecke vorgesehen waren, wurden nicht etwa nicht etwa nur fĂŒr Investionen eingesetzt, sondern systematisch auch zur Deckung der immer weiter steigenden Jahresdefizite verbraucht. Rund 5 Millionen Euro, die einmal die finanzielle Sicherheitsreserve der Stadt bildeten, sind auf diese Weise in den vergangenen Jahren aufgezehrt worden. Am Ende dieses jahrelangen âWirâkriegenâdasâschonâhinâManagementsâ stehen nicht etwa stabile Finanzen, sondern RĂŒcklagen in Höhe von gerade einmal 92 Euro â ein Betrag, der eher an Kleingeld in einer Sofaritze erinnert als an die finanzielle Vorsorge einer Stadt, die sich selbst einredete, man mĂŒsse nichts Ă€ndern und bekomme alles schon irgendwie geregelt.

Die Stadt befindet sich seit Jahresbeginn in der vorlĂ€ufigen HaushaltsfĂŒhrung, ohne beschlossenen Haushalt, ohne Jahresabschluss 2024 und mit einer LiquiditĂ€t, die bereits im ersten Quartal ins Negative rutschte. Was sich ĂŒber Jahre hinweg angekĂŒndigt hat, wird nun nicht mehr unĂŒbersehbar: Die Stadt hat ihre finanzielle Substanz aufgezehrt und steht heute dort, wo Kommunen niemals stehen dĂŒrfen â am Rand der ZahlungsunfĂ€higkeit. Die Warnungen der vergangenen Jahre, ob vom RechnungsprĂŒfungsamt, der Kommunalaufsicht oder aus den eigenen Zahlen, wurden ignoriert und systematisch ĂŒbergangen. Jetzt zeigt sich die Konsequenz: Der Haushalt 2026 ist nicht mehr steuerungsfĂ€hig, sondern Ausdruck einer strukturellen Krise, die sich mehr als zwölf Jahren aufgebaut hat.

Wer die Entwicklung seit 2014 betrachtet, erkennt ein Muster, das sich wie ein roter Faden durch die Finanzpolitik der Stadt zieht. Die LiquiditĂ€t, die 2014 noch bei ĂŒber 2,19 Millionen Euro lag, ist bis 2026 auf â1,66 Millionen Euro abgesackt. Das bedeutet nicht nur, dass sĂ€mtliche RĂŒcklagen verbraucht wurden, sondern dass die Stadt lĂ€ngst auf Pump lebt, abhĂ€ngig von einem Kassenkredit, der inzwischen auf 2,1 Millionen Euro ausgeweitet werden musste. Die RĂŒcklagen, die einst als Puffer dienten, sind vollstĂ€ndig aufgebraucht. Am Ende des Jahres 2026 bleiben davon gerade einmal 92 Euro ĂŒbrig â ein symbolischer Rest, der deutlicher als jede Zahl zeigt, wie ernst die Lage ist. Die LiquiditĂ€t rutscht bis 2029 um weitere 3,7 Millionen Euro ab, ein freier Fall, der zeigt, dass die Stadt ihre laufenden Ausgaben nicht mehr aus eigener Kraft decken kann. Die Verwaltung schreibt es selbst: âEin Haushaltsausgleich ist ab 2027 nicht mehr zu erreichen.â Das ist nichts anderes als eine schrittweise BankrotterklĂ€rung.

Auch der Ergebnishaushalt zeigt das AusmaĂ der Schieflage. Die ErtrĂ€ge von 11,786 Millionen Euro stehen Aufwendungen von 13,291 Millionen Euro gegenĂŒber. Das tatsĂ€chliche Jahresergebnis vor RĂŒcklagen betrĂ€gt â1,505 Millionen Euro. Nur durch die Entnahme aus der Infrastrukturpauschale in Höhe von 509.900 Euro gelingt es, den Fehlbetrag auf 996.000 Euro zu reduzieren. Doch dieser âAusgleichâ ist ein Ausgleich nur auf dem Papier. Denn ab 2027 gibt es keine RĂŒcklagen mehr, die man noch entnehmen könnte. Die Stadt lebt 2026 ĂŒber ihre VerhĂ€ltnisse â und zwar nicht nur ein wenig, sondern strukturell. Die Defizite der vergangenen Jahre summieren sich bis 2026 auf ĂŒber 5,6 Millionen Euro. Das ist kein Ausrutscher, sondern ein Trend, der sich seit 2020 verfestigt hat.

Noch dramatischer ist die Lage im Finanzhaushalt, also dort, wo es um die tatsĂ€chlichen Zahlungsströme geht. Crivitz gibt im laufenden Betrieb ĂŒber 1,1 Millionen Euro mehr aus, als hereinkommt. Die LiquiditĂ€t rutscht 2026 ins Negative, am Jahresende fehlen rechnerisch ĂŒber 740.000 Euro. Und das ist erst der Anfang. Die mittelfristige Finanzplanung zeigt einen strukturellen LiquiditĂ€tsverlust von ĂŒber 3 Millionen Euro bis 2029. Die Stadt kann ihre laufenden Ausgaben nicht mehr aus eigener Kraft decken. Investitionen sind nur noch möglich, wenn gleichzeitig an anderer Stelle gekĂŒrzt wird â oder wenn Kredite aufgenommen werden. Doch Kredite wĂ€ren in dieser Lage nicht genehmigungsfĂ€hig. Die Kommunalaufsicht hat bereits eine Verbesserungsanordnung ĂŒber 812.050 Euro erlassen â ein deutliches Zeichen dafĂŒr, dass die Stadt ihre finanzielle Steuerung verloren hat.

Parallel dazu sinkt das Eigenkapital seit Jahren. Von 21,19 Millionen Euro im Jahr 2014 auf 20,20 Millionen Euro im Jahr 2026 â ein Verlust von ĂŒber einer Million Euro. Ein sinkendes Eigenkapital bedeutet, dass die Stadt nicht nur RĂŒcklagen verbraucht, sondern ihre finanzielle Substanz angreift. Es ist ein Zeichen dafĂŒr, dass nicht nur die Gegenwart, sondern auch die Zukunft belastet wird. Die Trendlinie ist eindeutig negativ. Diese Entwicklung ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer systematischen Ăberlastung des Haushalts, steigender Personalkosten, fehlender interner Leistungsverrechnung und einer Ausgabenpolitik, die nicht zur Einnahmesituation passt. Ăber Jahre hinweg wurde in Crivitz weit ĂŒber die eigene LeistungsfĂ€higkeit hinaus investiert. Die Investitionsquote lag im Durchschnitt bei 167âŻProzent â doch dieser Durchschnitt verschleiert, dass die Stadt zwischen 2018 und 2020 zeitweise Investitionsquoten von ĂŒber 300âŻbis fast 400âŻProzent erreichte. Diese extremen AusschlĂ€ge waren nicht nur das Resultat zweier groĂer Bauvorhaben, sondern wurden zusĂ€tzlich von rund fĂŒnfzehn kleineren Projekten begleitet, die Jahr fĂŒr Jahr weitergefĂŒhrt wurden, als gĂ€be es kein Morgen.

Was zunĂ€chst nach Fortschritt aussah, war in Wahrheit eine Ăberhitzung der Haushaltsstruktur, die jede finanzielle Reserve aufzehrte. Jede neue MaĂnahme, jeder zusĂ€tzliche Bau, jede Erweiterung bedeutete steigende Ausgaben im Ergebnishaushalt â also dort, wo die laufenden Kosten anfallen. Und weil man sich an diese Investitionsdynamik gewöhnt hatte, blieb sie bis 2024 nahezu ungebrochen bestehen: Die Investitionsquote fiel in all den Jahren kaum je unter 50âŻProzent â ein Wert, der in anderen Kommunen bereits als ambitioniert gelten wĂŒrde, in Crivitz jedoch als Normalzustand betrachtet wurde. Erst die finanzielle Schieflage der Jahre 2025 und 2026 zwang die Stadt zu einer abrupten Vollbremsung.

Dass diese Entwicklung nicht vom Himmel fiel, sondern das Ergebnis politischer Entscheidungen ist, zeigt ein Blick auf die letzten zwölf Jahre: Die CWG â Crivitz Fraktion stellte in dieser Zeit die dominierende Kraft in der Stadtvertretung und trĂ€gt damit maĂgeblich Verantwortung fĂŒr die finanzielle Schieflage, in der Crivitz heute steht. Besonders seit 2019, seit dem Erreichen der absoluten Mehrheit, wurden Investitionen in einem Tempo beschlossen, das die Haushaltslage ĂŒberhitzte, wĂ€hrend die strukturellen Probleme ungelöst blieben. Das Resultat dieser Mehrheitsentscheidungen liegt nun offen vor uns â ein Haushalt, der seine Substanz verloren hat und sich nur noch durch Kredite ĂŒber Wasser hĂ€lt.

Dabei hatte das RechnungsprĂŒfungsamt bereits seit 2022 immer wieder darauf hingewiesen, dass die Stadt zwar in der GebĂ€udereinigung eine interne Leistungsverrechnung eingefĂŒhrt hat, der deutlich gröĂere Kostenblock des Bauhofs jedoch weiterhin völlig ohne diese grundlegende SteuerungsgröĂe arbeitet. Doch statt diese strukturellen MĂ€ngel endlich ernst zu nehmen, wurden die Hinweise aus dem Amt Crivitz vom RechnungsprĂŒfer behandelt wie Hintergrundrauschen â man lieĂ sie reden und machte weiter wie bisher, als gĂ€be es keinen Handlungsbedarf.

Und weil man sich nie wirklich mit den Ausgaben auseinandersetzen wollte, griff man lieber zu dem einzigen Instrument, das man in Crivitz offenbar zuverlĂ€ssig beherrscht: Steuererhöhungen. Sechsmal in zwölf Jahren wurden die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger zur Kasse gebeten, immer mit dem gleichen Versprechen, man werde die Lage schon irgendwie stabilisieren. Ironischerweise wuchs mit jeder Steuererhöhung nicht die StabilitĂ€t, sondern die Selbstzufriedenheit der Verantwortlichen â wĂ€hrend die Ausgaben weiter stiegen und niemand den Mut fand, sie auch nur anzutasten. So entstand eine Finanzpolitik, die sich jahrelang darauf verlieĂ, dass man Probleme nicht lösen muss, solange man sie mit neuen Einnahmen ĂŒberdecken kann. Ein Ansatz, der nun endgĂŒltig an seine Grenzen gestoĂen ist â und der die Stadt in eine Lage gefĂŒhrt hat, in der selbst die schönste Rhetorik keine Zahlen mehr retten kann.

FĂŒr die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger bedeutet all das nichts weniger als einen tiefgreifenden Kurswechsel. Die kommenden Jahre werden nicht von neuen Projekten, groĂen Versprechen oder bunten PrĂ€sentationen geprĂ€gt sein, sondern von der nĂŒchternen Aufgabe, eine Stadt zu stabilisieren, die finanziell aus dem Gleichgewicht geraten ist. Die Zeit der groĂzĂŒgigen Vorhaben ist vorbei â nicht, weil man sie nicht wollte, sondern weil man sie sich schlicht nicht mehr leisten kann. Wer ĂŒber ein Jahrzehnt hinweg Ausgaben steigert, Investitionsquoten von 300 bis 400âŻProzent fĂŒr normal hĂ€lt, strukturelle Warnungen ignoriert und stattdessen sechs Steuererhöhungen als Allheilmittel so wie die CWG â Crivitz Fraktion verkauft, der hinterlĂ€sst zwangslĂ€ufig eine Stadt, die nun jeden Euro zweimal umdrehen muss.
Fazit:
Jetzt geht es nicht mehr um politische Selbstdarstellung, sondern um Verantwortung â echte Verantwortung. Verantwortung dafĂŒr, dass die Fehler der vergangenen zwölf Jahre nicht wiederholt werden. Verantwortung dafĂŒr, dass Ausgaben endlich PrioritĂ€ten folgen und nicht Gewohnheiten. Verantwortung dafĂŒr, dass Steuern nicht lĂ€nger als Ersatz fĂŒr fehlende Steuerung missbraucht werden. Und Verantwortung dafĂŒr, dass die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger nicht erneut die Zeche fĂŒr eine Politik zahlen mĂŒssen, die zu lange glaubte, man könne Probleme einfach aussitzen.
Ein âWeiter soâ ist nicht nur ausgeschlossen â es wĂ€re fahrlĂ€ssig. Die Stadt steht an einem Punkt, an dem Ehrlichkeit wichtiger ist als jede SchönfĂ€rberei, Mut wertvoller als jede Ausrede und klare Entscheidungen unverzichtbarer als jede politische Komfortzone. Wer Crivitz in den kommenden Jahren fĂŒhren will, muss bereit sein, das zu tun, was ĂŒber ein Jahrzehnt lang vermieden wurde: die RealitĂ€t anerkennen, die Ausgaben kontrollieren und die Finanzen endlich so steuern, wie es eine verantwortungsvolle Kommune tun muss. Alles andere wĂ€re ein erneuter Schritt in die falsche Richtung â und den kann sich Crivitz nicht mehr leisten.