22.Mai-2026 /P-headli.-cont.-red./486[163(38-22)]/CLA-322/11-2026

Im Frühjahr 2026 steht die Stadt Crivitz an einem Wendepunkt ihrer kommunalen Geschichte. Die Haushaltslage ist so dramatisch angespannt, dass die CWG – Crivitz dominierende Stadtspitze gezwungen ist, den zweiten Sanierungsschritt einzuleiten – einen Schritt, der tief in das soziale, ehrenamtliche und sicherheitsrelevante Gefüge der Stadt eingreift. Der Haushalt 2026 weist eine Liquiditätsentwicklung bis 2029 von –3.089.606 € aus, ein Defizit, das sich über Jahre aufgebaut hat und Crivitz nun unweigerlich in eine strukturelle Haushaltsnotlage führt.
Es gibt Momente im Leben einer Stadt, die wie ein Schlaglicht wirken: Sie zeigen, wer wir sind, was wir wertschätzen und wen wir bereit sind zu belasten, wenn es eng wird. Der 28. Mai 2026 wird ein solcher Moment für Crivitz sein – ein Tag, an dem sich entscheidet, wie diese Stadt mit denen umgeht, die sie schützen. Denn an diesem Tag soll die Stadtvertretung darüber entscheiden, die Aufwandsentschädigungen der Freiwilligen Feuerwehren drastisch zu kürzen – jener Menschen also, die nachts aus dem Bett springen, wenn Sirenen heulen, die in brennende Häuser laufen, während andere fliehen, die bei Unfällen Erste Hilfe leisten, Keller auspumpen, Sturmschäden beseitigen und in Katastrophenlagen das Rückgrat der öffentlichen Sicherheit bilden.
Wie konnte es dazu kommen? Am 09. Februar 2026, so heißt es in der Vorlage, informierte Herr Markus Eichwitz zentrale Figur der CWG – Crivitz und 1. stellv. Bürgermeister – und seit März 2026 offizieller Landtagskandidat der SPD für die Landtagswahl im September 2026, den Hauptausschuss über „erneute Änderungen und Anpassungen“ der Aufwandsentschädigung der ehrenamtlich Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehren der Stadt Crivitz (Crivitz, Wessin und Gädebehn). Ein nüchterner Satz, ein unscheinbarer Hinweis – doch niemand im Raum ahnte, welche Tragweite diese Worte haben würden. Niemand wusste, dass hinter diesen „Anpassungen“ plötzlich die Idee steckte, ausgerechnet die Entschädigungsverordnung der Feuerwehr anzutasten. Keine Vorwarnung.Keine Debatte. Kein Hinweis in den vorangegangenen Beratungen. Plötzlich stand die Feuerwehr auf der Streichliste – ohne jede politische Vorbereitung, ohne jede öffentliche Diskussion, ohne jede Einbindung der Betroffenen.
Und währenddessen?Bleiben die Entschädigungen der politischen Führung unangetastet – ja, sie wurden erst im März 2025 massiv deutlich erhöht. Während die Feuerwehr sparen soll, steigen die Zahlungen an Bürgermeisterin, Stellvertreter, Fraktionsvorsitzende und Ausschussmitglieder mit Sockelbetrag weiter an. Es entsteht ein Bild, das politisch explosiv ist: Diejenigen, die schützen, sollen verzichten. Diejenigen, die entscheiden, bleiben verschont.
Ein Haushalt im freien Fall
Die Haushaltszahlen sprechen eine deutliche Sprache. Bereits im Jahr 2024 war die Stadt nur noch durch Rücklagenentnahmen in der Lage, den Haushalt auszugleichen. 2025 wurde die Lage kritisch, 2026 ist sie existenziell. Die Liquidität rutscht ins Minus, die Rücklagen sind nahezu aufgebraucht, und die Stadt befindet sich faktisch im Kassenkredit. Die Haushaltsplanung zeigt, dass die Stadt ab 2027 keinen Haushaltsausgleich mehr erreichen kann. Die Defizite der Folgejahre im Ergebnishaushalt:
• 2027: –837.900 €
• 2028: –599.100 €
• 2029: –647.500 €
Die Defizite im Finanzhaushalt:
• 2027: –888.400 €
• 2028: –1.004.200 €
• 2029: –695.100 €
Die Entwicklung der Folgejahre für die Liquidität:• 2026: –501.906,71 €• 2027: –1.390.306,71 €• 2028: –2.394.506,71 €• 2029: –3.089.606,71 €
Die Folge für die nächsten Jahre: Sparmaßnahmen auf allen Ebenen, insbesondere bei freiwilligen Leistungen. Diese freiwilligen Leistungen umfassen auch die Aufwandsentschädigungen der Freiwilligen Feuerwehren – eine symbolische Anerkennung für Menschen, die ihre Freizeit und oft ihre Gesundheit riskieren, um Leben zu retten und Sachwerte zu schützen. Doch genau diese Entschädigungen sollen nun gekürzt werden.
Die Kürzung trifft die Falschen
Ein Blick auf die Zahlen verdeutlicht die Schieflage:

Während die Feuerwehrentschädigungen um fast 30 % sinken, steigen die Zahlungen an die politischen Gremien weiter an. Die Feuerwehr, die in Crivitz, Wessin und Gädebehn ehrenamtlich tätig ist, soll künftig mit 54.300 € auskommen – ein Rückgang um über 21.000 € gegenüber dem Vorjahr.

Gleichzeitig erhöhen sich die Entschädigungen für Bürgermeisterin, Stellvertreter, Fraktionsvorsitzende und Ausschussmitglieder auf 98.000 €. Vor diesem Hintergrund wird nun die Kürzung der Aufwandsentschädigungen für die freiwilligen Feuerwehren als Beitrag zur Haushaltskonsolidierung präsentiert.
Die Hauptsatzung als Wendepunkt: Die Grundlage dieser Entwicklung liegt in der Hauptsatzungsänderung vom März 2025. Sie brachte eine deutliche Erhöhung der Aufwandsentschädigungen für die Stadtspitze und die politischen Gremien. So haben die CWG ‑ Crivitz und die CDU‑Fraktion gemeinsam die Anhebung der Aufwandsentschädigungen für die kommunalen Spitzenämter der Stadt Crivitz beschlossen.

Nach § 8 der Hauptsatzung erhalten seither:
- Die Bürgermeisterin eine monatliche Entschädigung von 3.000 €, (zuzüglich einer monatlichen Fahrkostenpauschale von 120,00€)
- Der 1. Stellvertreter 600 €, der 2. Stellvertreter 300 €, monatlich,
- Fraktionsvorsitzende 120 €,monatlich,
- Vorsitzende der Ortsteilvertretungen 180 €, monatlich,
- Alle Mitglieder der Stadtvertretung und der Ortsteilvertretungen erhalten für die Teilnahme an Sitzungen der Stadtvertretung, der Ortsteilvertretungen, der Ausschüsse und der Fraktionen, denen sie angehören, ein Sitzungsgeld in Höhe von 40,00€, Ausschussvorsitzende 60 €, pro Sitzung.
- Die Mitglieder der Stadtvertretung erhalten zusätzlich zur sitzungsbezogenen Aufwandsentschädigung einen monatlichen Sockelbetrag in Höhe von 50,00€, sofern sie keine funktionsbezogene Aufwandsentschädigung erhlaten.
- Sachkundige Einwohner und Mitglieder des Seniorenbeirats erhalten ebenfalls 40 € Sitzungsgeld, pro Sitzung.
- Die oder der Vorsitzende des Senioren-und Behindertenbeirates erhält für jede geleitete Sitzung des Senioren- und
- Behindertenbeirates ein Sitzungsgeld in Höhe von 60,00 €.
Diese Aufwandsentschädigungen sind abgabenfrei und steuerlich begünstigt. Für sich genommen ließe sich darüber gewiss diskutieren. Brisant wird es jedoch dort, wo dieselben Funktionsträger öffentlich betonen, sie übten ihre Aufgaben ausschließlich im Geiste des Ehrenamts aus – während die finanziellen Rahmenbedingungen ihrer Ämter zugleich spürbar verbessert wurden. Diese Beträge summieren sich zu einem Gesamtvolumen, das die Haushaltsansätze der Vorjahre deutlich übersteigt. Die Erhöhung wurde beschlossen, obwohl die Haushaltslage bereits massiv kritisch war. Die Feuerwehrentschädigungen hingegen sollen nun gekürzt werden.
Die Feuerwehr – von 2019 bis 2026 Schritt für Schritt entwertet
Damit Sie verstehen, wie tief die Einschnitte wirklich gehen, muss man die Entwicklung der letzten Jahre betrachten. Die Stadt hat die Anerkennung der Feuerwehr nicht erst 2026 gekürzt – sie hat sie systematisch zurückgefahren, nachdem sie 2021 noch einmal ausgebaut worden war.
1. Monatliche Pauschalen – Gewinner oben, Verlierer unten
2019 → 2026:

- Gemeindewehrführer: 250 € → 310 € (+60 €)
- Stellv. Gemeindewehrführer: 150 € → 155 € (+5 €)
- Zugführer Crivitz: 100 € → 75 € (–25 €)
- Gruppenführer Crivitz/Wessin/Gädebehn: 70 € → 50 € (–20 €)
- OWF Gädebehn: 180 € → 150 € (–30 €)
- Stellv. OWF Gädebehn: 90 € → 75 € (–15 €)
Kernaussage:
Während also die Spitze der Feuerwehrführung exakt auf den Landes-Höchstsatz angehoben wird, verliert die breite Basis der Führungskräfte zwischen 15 und 30 Euro monatlich, und das in einer Zeit, in der die Anforderungen an Ausbildung, Dokumentation und Einsatzbereitschaft stetig steigen.
2. Jugendfeuerwehr – besonders hart getroffen
2019 → 2026:

- JFw Gädebehn: 140 € → 70 € (–70 € / Halbierung)
- Stv. JFw Gädebehn: 100 € → 35 € (–65 €)
- Stv. JFw Crivitz/Wessin: 100 € → 70 € (–30 €)
Kernaussage:
Gerade die Nachwuchsarbeit – das Herzstück jeder Feuerwehr – wird massiv entwertet. Die Botschaft ist klar: Die großen Einheiten werden geschont, die kleinen Ortsteile zahlen den Preis.
3. Einsatzentschädigung – erst erhöht, dann zurückgenommen

- 2019: 10 € pro Einsatz
- 2021: 15 € pro Einsatz
- 2026: wieder 10 €
Kernaussage:
Die 2021 beschlossene Verbesserung wird vollständig zurückgenommen.
4. Ausbildungsleistungen – fast vollständig gestrichen
2019–2021:
- 15 € pro Standortausbildung
- 25–50 € pro Lehrgang an der Kreisfeuerwehrschule
- 25 € pro Tag an der Landesfeuerwehrschule
- 10 € für Betreuer der Jugendfeuerwehr
- 15 € für Belastungsübungen
2026:
- nur noch 5 € pro Ausbildungstag, gedeckelt auf 120 € pro Jahr
- alle anderen Leistungen gestrichen
Kernaussage:
Ausbildung wird nicht mehr gefördert – sie wird entwertet.
5. Prämien für Dienstzeit – Anerkennung gestrichen

2019:
100 € (10 Jahre), 200 € (20), 300 € (30), 400 € (40), 500 € (50), bis 200 € für besondere Leistungen
2026:
125 € (20 Jahre), 225 € (30 Jahre)
Alles andere gestrichen.
Kernaussage:
Langjährige Treue wird nicht mehr honoriert. Damit verliert die Feuerwehr nicht nur finanzielle Anerkennung, sondern auch symbolische Wertschätzung für jahrzehntelanges Engagement.
Sparen bei den Rettern – ein fatales Signal
Die Freiwilligen Feuerwehren in Crivitz, Wessin und Gädebehn leisten jährlich hunderte Einsatzstunden – bei Bränden, Unfällen, Hochwasser und technischen Hilfeleistungen. Ihre Entschädigungen sind kein „Bonus“, sondern ein Zeichen der Wertschätzung.
Die geplante Kürzung auf 54.300 € bedeutet, dass weniger Mittel für Ausbildung, Ausrüstung und Anerkennung zur Verfügung stehen. Sie trifft die Basis der kommunalen Sicherheit – und sendet ein verheerendes Signal an alle Ehrenamtlichen. Währenddessen bleiben die Entschädigungen der Stadtspitze unangetastet. Die Bürgermeisterin erhält weiterhin 3.000 € monatlich, die Stellvertreter ihre festen Pauschalen, die Fraktionsvorsitzenden ihre Zuschläge. Die Stadtvertretung tagt regelmäßig – und jede Sitzung wird vergütet. Die Feuerwehr hingegen steht rund um die Uhr bereit – und soll nun sparen.
Ein Widerspruch, der Vertrauen kostet
Die Bürgerinnen und Bürger von Crivitz erleben eine paradoxe Situation:
Die Stadt ruft zur Sparsamkeit auf, kürzt bei den Rettern, aber erhöht bei sich selbst. Die Haushaltsnotlage wird als Begründung angeführt, doch die Zahlen zeigen, dass die Einsparungen bei der Feuerwehr kaum zur Haushaltsstabilisierung beitragen. Die Differenz zwischen 2025 und 2026 beträgt rund 21.700 € – ein Betrag, der im Gesamtdefizit von über 3 Millionen € kaum ins Gewicht fällt. Die Erhöhung der politischen Entschädigungen hingegen kostet die Stadt fast denselben Betrag – nur in die andere Richtung.
Was bleibt: Die Frage nach der Gerechtigkeit
Am 28. Mai 2026 soll die Kürzung der Feuerwehrentschädigungen beschlossen werden. Für viele Bürger ist das nicht nur eine finanzielle, sondern eine moralische Frage.
Wie kann eine Stadtvertretung, die sich selbst höhere Entschädigungen gewährt, gleichzeitig die freiwilligen Retter kürzen?
Wie kann man von Solidarität sprechen, wenn die Lasten ungleich verteilt werden?
Die Haushaltslage ist ernst, keine Frage. Doch Sparen darf nicht zur Ungerechtigkeit werden. Die Feuerwehr verdient Respekt und Unterstützung – gerade in Zeiten, in denen die Stadt auf ihre Einsatzbereitschaft angewiesen ist. Die politische Führung sollte mit gutem Beispiel vorangehen und ihre eigenen Entschädigungen einfrieren, bis die Haushaltslage stabil ist.
Fazit
Crivitz steht vor einer Entscheidung, die mehr über den Charakter einer Stadt aussagt als über Zahlen.Die Kürzung der Feuerwehrentschädigungen ist kein Sparprogramm, sondern ein Vertrauensbruch gegenüber den Ehrenamtlichen. Die Stadtspitze bleibt unangetastet – die Retter zahlen den Preis. In einer Zeit, in der Solidarität gefragt ist, sollte gelten: Sparen mit Verantwortung – nicht auf Kosten derer, die Leben retten.


























































































































































































































































































































































































































































































































































































































