Eine Personalpolitik ohne Kompass 😕— und die Frage nach echter Kontrolle⚠️

19.Juli-2026/P-headli.-cont.-red./498[163(38-22)]/CLA-334/23-2026

Wenn Kontrolle versprochen wird, aber Macht bleibt, wo sie war!

Wenn Personalpolitik plötzlich sichtbar wird!

Die Personalpolitik einer Stadt ist selten Thema am Küchentisch. Sie läuft im Hintergrund, still, unscheinbar – bis Entscheidungen getroffen werden, die Menschen unmittelbar treffen, Familien verunsichern und den Alltag eines ganzen Ortes erschüttern. Genau das geschah in Crivitz zum Jahreswechsel 2025/2026. Plötzlich standen Kündigungen im Raum, plötzlich sollten Kinder nach Weihnachten nicht mehr in ihre Kita dürfen, plötzlich verloren Menschen ihren Arbeitsplatz – und niemand konnte erklären, warum. Nach zwölf Jahren nahezu unangefochtener Alleinregie der CWG – Crivitz geführten Rathausspitze in Personalfragen tauchte Ende Mai 2026 in der neuen Hauptsatzungsänderung ein Satz auf, der harmlos klingt, aber eine stille Machtverschiebung markiert: Personalentscheidungen in den nachgeordneten Einrichtungen dürfen künftig nur noch „im Einvernehmen mit dem Haupt- und Finanzausschuss“ getroffen werden.

Was wie ein Schritt hin zu mehr demokratischer Kontrolle wirkt, erzählt bei genauerem Hinsehen eine andere Geschichte – nämlich die der Monate davor. Denn über Jahre hinweg war die Lage eindeutig: Die Bürgermeisterin traf Personalentscheidungen allein. Die alte Hauptsatzung formulierte es höflich, aber klar: Personalentscheidungen wurden „nach Beratung“ im Haupt- und Finanzausschuss getroffen. Beratung heißt im kommunalen Sprachgebrauch: Man darf seine Meinung sagen, aber nicht mitentscheiden. Der Ausschuss konnte mahnen, warnen, Fragen stellen – aber er hatte kein Vetorecht, keine Zustimmungsbefugnis, keine echte Kontrolle. Diese Konstruktion blieb lange unsichtbar. Personalpolitik macht selten Schlagzeilen. Doch sie wurde sichtbar, als die Folgen dieser Alleinentscheidungen plötzlich Menschen trafen, die viele im Ort kennen – und als die Stadt Crivitz merkte, dass Personalpolitik nicht nur ein Verwaltungsakt ist, sondern eine Frage von Vertrauen, Verantwortung und öffentlicher Transparenz.

Wenn nüchterne Protokollsätze plötzlich ganze Geschichten erzählen

Im Protokoll der Ortsteilvertretung Wessin vom 4. März 2026 steht ein Satz, der in seiner Nüchternheit fast brutal wirkt: „Bei der Stadt sind zwei Mitarbeiter des Bauhofs gekündigt worden, genaue Gründe sind nicht bekannt.“ Ein unscheinbarer Satz – und doch der Moment, in dem vielen Bürgern klar wurde, dass in Crivitz etwas aus dem Gleichgewicht geraten war. Denn hinter dieser Formulierung verbarg sich weit mehr als eine Personalmaßnahme. Tatsächlich waren es zwei Kündigungen, darunter ein Schwerbehinderter, dessen Arbeitsplatz erst wenige Jahre zuvor mit langfristigen Fördermitteln geschaffen worden war. Die Kündigungen kamen abrupt, ohne erkennbare Begründung, mitten im Winter, zu einem Zeitpunkt, an dem niemand damit rechnete. Was folgte, waren Rechtsstreitigkeiten, anwaltliche Verfahren, Abfindungen – und am Ende mussten einige Entscheidungen korrigiert werden. Dass diese Vorgänge längst Stadtgespräch waren, lag nicht an Gerüchten, sondern an den Betroffenen selbst, ihren Familien, Bekannten, Kollegen und den vielen Gesprächen, die sich in Vereinen, Einrichtungen und sozialen Medien verbreiteten. Die nüchterne Formulierung der OTV Wessin bestätigte damit lediglich offiziell, was in Crivitz ohnehin schon bekannt war – und verlieh dem, was zuvor im Ort kursierte, erstmals einen formalen, dokumentierten Rahmen.

Damit war klar: Die Informationen, die im Ort bereits offen diskutiert wurden, waren nicht Hörensagen, sondern deckten sich mit den tatsächlichen Vorgängen – und der OTV‑Satz machte diese öffentliche Wahrnehmung erstmals sichtbar im offiziellen Protokoll. Ähnlich war es im Bereich der Kindertagesstätten. Kurz vor Weihnachten 2025 erhielten bis zu drei Familien Kündigungen für ihre Kinder – nicht Mitarbeiter, sondern Eltern mit ihren Kindern. Entscheidungen, die sie nicht kommen sahen, die sie nicht verstanden, die sie unmittelbar trafen. Auch hier kam es zu rechtlichen Auseinandersetzungen, auch hier entstanden Kosten, auch hier wurden Entscheidungen korrigiert. Wieder war die rechtliche Grundlage dieselbe: Personalentscheidungen in den nachgeordneten Einrichtungen lagen allein in der Hand der Rathausspitze, der Hauptausschuss wurde informiert, aber nicht eingebunden. Für die Betroffenen war das keine abstrakte Rechtsfrage, sondern eine existenzielle Erfahrung. Die Institutionen der Stadt Crivitz, die eigentlich für Verlässlichkeit stehen, wurden zur Quelle von Unsicherheit. Und für viele Bürger war dies der Moment, in dem die Personalpolitik der Stadt – bislang ein stiller Verwaltungsbereich – plötzlich sichtbar wurde. Sichtbar in Kündigungen, sichtbar in Konflikten, sichtbar in Kosten, sichtbar in der Frage: Wer entscheidet hier eigentlich – und nach welchen Maßstäben?

Der Stellenplan 2026 – als plötzlich sichtbar wurde, wie tief die Eingriffe wirklich waren

Der Januar 2026 brachte eine Entwicklung, die die Dimension der Personalpolitik in Crivitz endgültig sichtbar machte – allerdings nicht durch eine öffentliche Debatte, sondern durch ein Verwaltungsdokument: den Stellenplan 2026. Was dort stand, wirkte nicht wie eine vorsichtige Anpassung, sondern wie ein tiefgreifender Umbau der gesamten Personalstruktur. 16 Höhergruppierungen, 17 Neubewertungen, 29 Stundenänderungen, 22 KW‑Stellen („kann wegfallen“), über 15 weggefallene Stellen und eine Reduktion der Vollzeitäquivalente von 87,077 auf 77,474 – diese Zahlen sprechen nicht von Routine, sondern von einer Neuordnung. Fast überall findet sich derselbe Vermerk: „Stellenbewertung in 01/2026 erfolgt.“

Dieser kleine Satz ist der Schlüssel. Er bedeutet, dass im Januar 2026 eine umfassende Neubewertung von Tätigkeiten vorgenommen wurde – und zwar nicht im Rahmen einer breiten politischen Diskussion, sondern als Verwaltungsakt, getragen von der Bürgermeisterin und ihrer Verwaltung. Für Bürger war das zunächst unsichtbar. Doch die Auswirkungen waren enorm:

Jede dieser Höhergruppierungen bedeutet dauerhaft höhere Personalkosten. Jede Stundenaufstockung – von 27,5 auf 30, von 30 auf 32, von 31 auf 35 Wochenstunden – wirkt wie eine stille Neueinstellung. Jede KW‑Stelle markiert einen strukturellen Eingriff: Eine Stelle, die künftig wegfallen soll, darf nicht mehr dauerhaft besetzt werden. All das geschah in einer Phase, in der die Stadt sich in der vorläufigen Haushaltsführung befand – also gerade keine neuen finanziellen Verpflichtungen eingehen durfte, die über das Notwendige hinausgehen. Für Bürger bedeutet das: Die Amtsverwaltung und die Stadtspitze nahmen tiefgreifende Personalentscheidungen vor, obwohl die finanzielle Lage der Stadt Crivitz dies eigentlich nicht zuließ. Der Stellenplan 2026 ist damit kein technisches Dokument, sondern ein politisches Signal. Er zeigt, wie weitreichend die Personalpolitik der Rathausspitze bereits war, bevor die öffentliche Debatte überhaupt begann. Und er zeigt, dass die Konflikte um Kündigungen und Kita‑Entscheidungen nicht isolierte Vorgänge waren, sondern Teil eines größeren, strukturellen Umbaus.

Warum der Stellenplan plötzlich zur Haushaltsfrage wurde

Der Stellenplan 2026 enthält nicht nur organisatorische Veränderungen, sondern hat unmittelbare finanzielle Folgen. Das Dokument selbst weist darauf hin: Die finanziellen Auswirkungen des Stellenplans sind Teil der Haushaltsplanung und werden mit dieser bekanntgegeben.“ Damit ist klar: Der Stellenplan ist kein neutrales Verwaltungsinstrument, sondern ein Bestandteil der kommunalen Haushaltspolitik – und gehört eigentlich in eine reguläre Haushaltssatzung, nicht in eine Phase vorläufiger Haushaltsführung.

Genau dort befand sich die Stadt Crivitz Anfang 2026. In der vorläufigen Haushaltsführung dürfen Kommunen keine neuen finanziellen Verpflichtungen eingehen, die über das unbedingt Notwendige hinausgehen. Trotzdem wurden im Januar tiefgreifende Personalentscheidungen getroffen: Höhergruppierungen, Stundenaufstockungen, Neubewertungen und KW‑Stellen. Jede dieser Maßnahmen erzeugt langfristige Kosten – höhere Gehälter, höhere Sozialabgaben, strukturelle Verschiebungen, die sich über Jahre auswirken.

Gleichzeitig verschärfte sich die finanzielle Lage der Stadt dramatisch. Ein Haushaltssicherungskonzept für 2027 steht bevor, die Rücklagen sind geschrumpft, die Jahresergebnisse der vergangenen Jahre zeigen eine negative Entwicklung, und die Spielräume werden enger. In dieser Situation wird Personalpolitik nicht nur zur Verwaltungsfrage, sondern zu einem finanziellen Risiko. Denn jede Kündigung, jede Fehlstunde, jede Neueinstellung, jede organisatorische Fehlentscheidung hat unmittelbare Auswirkungen auf den Haushalt. Rechtsstreitigkeiten verursachen Kosten. Abfindungen belasten den Etat. Höhergruppierungen erhöhen die laufenden Ausgaben. Und ein Stellenplan, der ohne vollständige Kostenunterlagen, ohne Ausschussvorberatung und ohne öffentliche Debatte beschlossen werden sollte, ist nicht nur politisch fragwürdig – er ist juristisch hoch problematisch.

Der Stellenplan 2026 zeigt damit zweierlei: Erstens, wie tief die Personalpolitik der Rathausspitze bereits in die Struktur der Stadt eingegriffen hatte. Zweitens, wie sehr diese Entscheidungen die ohnehin angespannte Haushaltslage verschärften – und warum die Frage, wer Personalentscheidungen trifft, plötzlich nicht nur eine Frage der Verwaltung, sondern eine Frage der finanziellen Stabilität der Stadt wurde.

Die alte Hauptsatzung – und die Frage, wer wirklich entschied

Während die finanziellen Folgen des Stellenplans 2026 sichtbar wurden, rückte eine andere Frage in den Mittelpunkt: Wer hatte diese Entscheidungen eigentlich getroffen? Die Antwort lag in einem Dokument, das viele Bürger kaum kannten, das aber die gesamte Personalpolitik der Stadt bestimmte – der alten Hauptsatzung. Dort war die Rollenverteilung klar geregelt: Die Bürgermeisterin traf Personalentscheidungen allein. Der Haupt- und Finanzausschuss wurde lediglich „beraten“. Im kommunalen Sprachgebrauch bedeutet „Beratung“ jedoch nicht Mitentscheidung, sondern unverbindliche Stellungnahme. Ein Ausschuss darf Fragen stellen, warnen, mahnen – aber er hat kein Vetorecht, keine Zustimmungsbefugnis, keine echte Kontrolle. Die Verantwortung lag bei einer Person, und die politische Mehrheit der CWG – Crivitz in der Stadtvertretung sorgte dafür, dass diese Konstruktion über Jahre hinweg unangetastet blieb.

Diese Struktur erklärt, warum die Personalpolitik in Crivitz so lange im Schatten blieb. Kündigungen, Höhergruppierungen, Stundenaufstockungen, organisatorische Eingriffe – all das konnte die Bürgermeisterin allein entscheiden, ohne dass ein Gremium verbindlich zustimmen musste. Der Hauptausschuss war informiert, aber nicht eingebunden. Die Stadtvertretung war formal zuständig für Grundsatzfragen, aber nicht für die operative Personalpolitik in den nachgeordneten Einrichtungen. Solange die Entscheidungen intern blieben, fiel das kaum auf. Doch als Kündigungen ausgesprochen wurden, als Familien betroffen waren, als Rechtsstreitigkeiten entstanden und als der Stellenplan 2026 tief in die Personalstruktur eingriff, wurde sichtbar, wie groß die Machtfülle der Rathausspitze tatsächlich war.

Die alte Hauptsatzung war damit nicht nur ein Verwaltungsdokument, sondern der Schlüssel zu den Konflikten, die Crivitz zwischen Dezember 2025 und Mai 2026 erlebte. Sie erklärte, warum Entscheidungen ohne breite Debatte getroffen wurden. Sie erklärte, warum der Hauptausschuss nicht eingreifen konnte. Sie erklärte, warum die Personalpolitik plötzlich teuer wurde. Und sie erklärte, warum die Frage nach Kontrolle und Verantwortung unausweichlich wurde.

Die neue Hauptsatzungsänderung Ende Mai 2026 – ein Kurswechsel, der nicht zufällig kam

Die Ankündigung der 3. Änderung der Hauptsatzung am 28. Mai 2026 wirkte auf den ersten Blick wie ein überraschender Kurswechsel – fast wie ein Signal des Einlenkens, ein Schritt auf die Opposition zu, ein Versuch, die Personalpolitik breiter abzustützen. Doch wer die Monate davor aufmerksam verfolgt hatte, erkannte schnell: Dieser Schritt kam nicht aus heiterem Himmel. Er war eine Reaktion auf das, was seit Dezember 2025 geschehen war. Kündigungen im Bauhof, Konflikte in den Kitas, Rechtsstreitigkeiten, Kosten, ein Stellenplan mit tiefgreifenden Eingriffen mitten in der vorläufigen Haushaltsführung – all das hatte die Personalpolitik der Rathausspitze erstmals sichtbar gemacht. Entscheidungen, die zuvor im Schatten getroffen wurden, standen plötzlich im Licht der öffentlichen Wahrnehmung. Und genau in diesem Moment, in dem die Kritik wuchs und die politische Lage angespannter wurde, erschien in der neuen Hauptsatzung ein Satz, der harmlos klingt, aber eine stille Machtverschiebung markiert:

„Die Bürgermeisterin trifft Personalentscheidungen im Bereich der nachgeordneten Einrichtungen im Einvernehmen mit dem Haupt- und Finanzausschuss.“ Aus „Beratung“ wird „Einvernehmen“. Aus einem unverbindlichen Gespräch wird eine formale Zustimmungspflicht. Aus einer Alleinentscheidung wird ein gemeinsamer Beschluss.

Für Bürger klingt das nach mehr Kontrolle, nach geteilter Verantwortung, nach einem Ende der Alleinregie. Es wirkt wie ein demokratischer Fortschritt, wie ein Schritt hin zu Transparenz und Beteiligung. Doch die politische Realität dahinter ist komplexer – und sie erklärt, warum dieser Satz zwar neu ist, aber nicht unbedingt das bedeutet, was er verspricht. Denn die Änderung kam nicht zu einem Zeitpunkt, an dem die Personalpolitik stabil war, sondern in einer Phase, in der sie sichtbar unter Druck geraten war. Sie kam nicht, bevor Konflikte entstanden, sondern nachdem sie eskaliert waren. Sie kam nicht als vorausschauende Reform, sondern als Reaktion auf eine Serie von Entscheidungen, die die Stadt belastet hatten – finanziell, organisatorisch und politisch. Damit war die Bühne bereitet für eine entscheidende Frage: Wenn die neue Hauptsatzung eine Öffnung verspricht – wer kontrolliert diese Öffnung eigentlich?

Das Einvernehmen – demokratische Kontrolle oder perfekte Inszenierung?

Was nach demokratischer Kontrolle klingt, ist in Wahrheit weit weniger eindeutig. Der Haupt- und Finanzausschuss, der nun das „Einvernehmen“ geben soll, ist kein unabhängiges Kontrollorgan. Er ist kein neutrales Gremium, das die Personalpolitik kritisch prüft oder korrigiert. Er ist seit Jahren politisch stabil von der CWG – Crivitz Fraktion dominiert, also von jener Mehrheit, die die Personalpolitik der Bürgermeisterin stets getragen hat. Damit wird sichtbar, was hinter dem neuen Satz der Hauptsatzung tatsächlich steht: Die Bürgermeisterin gibt ihre Personalhoheit nicht an die Stadtvertretung ab, nicht an die Bürger, nicht an ein unabhängiges Gremium, sondern an einen Ausschuss, in dem ihre eigene politische Basis die Mehrheit hat. Das ist keine Machtabgabe – es ist eine Machtverschiebung im Kreis. Nach außen entsteht der Eindruck von Transparenz, Beteiligung und Kontrolle. In der Realität bleibt die Entscheidungsmacht dort, wo sie vorher war. Nur die Form hat sich geändert – nicht die Struktur.

Das „Einvernehmen“ wirkt damit wie eine perfekte politische Inszenierung: Nach außen: „Ich gebe Macht ab.“ In der Realität: „Ich gebe Macht dorthin, wo ich sie weiterhin kontrollieren kann.“ Für Bürger ist das entscheidend zu verstehen. Denn die Änderung der Hauptsatzung suggeriert eine neue Balance, eine geteilte Verantwortung, eine demokratische Öffnung. Doch die Machtverhältnisse im Ausschuss bleiben unverändert. Die CWG‑Mehrheit entscheidet weiterhin, ob Personalmaßnahmen zugestimmt wird oder nicht – und damit bleibt die Personalpolitik faktisch in denselben Händen wie zuvor. Das Einvernehmen ist damit weniger ein Kontrollinstrument als ein politisches Schutzschild. Es entschärft Kritik, ohne die Macht wirklich zu begrenzen. Es schafft den Eindruck von Beteiligung, ohne die Entscheidungswege zu verändern. Es verlagert Verantwortung, ohne sie tatsächlich zu teilen. Und genau das sollten die Bürger wissen.

Was die Bürger jetzt sehen – und was sie weiterhin hinterfragen müssen

Für die Bürger ergibt sich aus der neuen Hauptsatzung ein ambivalentes Bild. Auf der einen Seite ist es richtig und wichtig, dass Personalentscheidungen in den nachgeordneten Einrichtungen nicht mehr im Alleingang getroffen werden. Wer erlebt hat, wie plötzlich Kündigungen ausgesprochen wurden, wie Familien kurz vor Weihnachten betroffen waren, wie ein Schwerbehindertenarbeitsplatz ohne erkennbare Not zur Disposition stand, der weiß, dass solche Entscheidungen nicht in der Hand einer einzelnen Person liegen sollten. Dass der Haupt- und Finanzausschuss nun formal eingebunden wird, wirkt wie eine notwendige Konsequenz aus diesen Erfahrungen – eine Reaktion auf Fehlentscheidungen, auf Konflikte, auf Kosten und auf den Vertrauensverlust, der sich in der Stadt Crivitz spürbar ausgebreitet hat.

Doch auf der anderen Seite bleibt der Eindruck, dass hier Transparenz und Beteiligung eher inszeniert als gelebt werden. Die Änderung kommt viel zu spät – nachdem die größten und teuersten Personalentscheidungen bereits getroffen wurden, nachdem der Stellenplan 2026 die Personalstruktur tiefgreifend verändert hat, nachdem Kündigungen ausgesprochen, Verfahren geführt und verloren wurden. Sie kommt in einem Moment, in dem die politische Lage angespannt ist, in dem die Personalpolitik zum öffentlichen Thema geworden ist, in dem die Alleinregie nicht mehr stillschweigend akzeptiert werden kann. Und sie kommt in einer Form, die die Macht nicht wirklich begrenzt, sondern lediglich anders verpackt. Das Einvernehmen suggeriert Kontrolle, doch die Mehrheitsverhältnisse im Ausschuss bleiben unverändert.

Die CWG‑Crivitz Fraktion, die die Personalpolitik der Bürgermeisterin über Jahre getragen hat, entscheidet weiterhin über Zustimmung oder Ablehnung. Für Bürger bedeutet das: Die neue Regelung schafft ein Gefühl von Beteiligung, aber keine echte Veränderung der Machtbalance. Die Erfahrungen der vergangenen Monate haben gezeigt, wie wichtig klare Strukturen, transparente Verfahren und echte Kontrolle sind. Doch die neue Hauptsatzung beantwortet diese Fragen nur teilweise. Sie öffnet Türen, aber sie lässt die entscheidenden Räume unverändert. Sie verteilt Verantwortung, aber sie verschiebt Macht nicht wirklich. Sie beruhigt, aber sie löst nicht. Für die Bürger bleibt damit eine zentrale Erkenntnis: Die Personalpolitik einer Stadt darf nicht im Schatten entstehen. Sie darf nicht erst dann korrigiert werden, wenn Prozesse verloren sind und Kosten entstanden. Sie muss von Anfang an klar, fair und transparent sein – und sie muss dort entschieden werden, wo demokratische Kontrolle tatsächlich möglich ist.

Fazit:

Am Ende dieser Monate voller Konflikte, Kündigungen, Rechtsstreitigkeiten, Stellenplan‑Umbauten und politischer Manöver steht eine einfache, aber entscheidende Frage: Was bedeutet echte demokratische Kontrolle in der Personalpolitik einer Stadt? Reicht ein Einvernehmen, das von denselben Mehrheitsverhältnissen getragen wird wie die Alleinregie zuvor? Reicht eine formale Öffnung, wenn die faktische Machtstruktur unverändert bleibt? Reicht eine neue Formulierung, wenn die dahinterliegenden Prozesse weiterhin im Schatten liegen? Die neue Hauptsatzungsänderung ist ein Spiegel der vergangenen Jahre. Sie zeigt, wo die Bruchstellen lagen: in Kündigungen, in Prozessen, in einem Stellenplan, der ohne ausreichende Kontrolle beschlossen werden sollte. Und sie zeigt, wie die Stadt darauf reagiert hat: mit einer Regelung, die Beteiligung verspricht, aber Macht kaum verschiebt.

Crivitz steht damit an einem Punkt, an dem die Erfahrungen der vergangenen Monate nicht einfach abgehakt werden dürfen. Sie müssen Konsequenzen haben. Nicht nur in Satzungen, sondern in Strukturen. Nicht nur in Formulierungen, sondern im politischen Alltag. Nicht nur in Reaktionen, sondern in echter Veränderung. Denn Personalpolitik ist kein technischer Verwaltungsakt. Sie entscheidet über Arbeitsplätze, über Familien, über Vertrauen, über Kosten, über die Zukunft einer Stadt. Und genau deshalb gehört sie nicht in den Schatten, sondern in die demokratische Mitte.

Crivitz’ 2026 neue Energieära: WEMAG greift nach der Steuerungshoheit und koppelt das neue „Neustadt‑Heizwerk“ an das Windgebiet „Krudopp“!😡

10 .Juli-2026/P-headli.-cont.-red./497[163(38-22)]/CLA-333/22-2026

Krudopp – wie ein unscheinbarer Ort zum Herzstück der Crivitzer Energieordnung wurde

Die Stadt Crivitz erlebt in diesen Monaten eine stille, aber tiefgreifende Verschiebung seiner energiepolitischen Wirklichkeit. Während die meisten Bürger ihren Alltag leben, hat sich im Hintergrund ein neues Kapitel geöffnet – eines, das den kleinen Ort Krudopp plötzlich in den Mittelpunkt der kommunalen Wärmeversorgung rückt. Was bislang ein Randgebiet zwischen Feldern und Wald war, taucht nun im Wärmeplan der Stadt Crivitz 2026 als Schlüsselelement der Stromversorgung für das neue Heizwerk in der Neustadt auf. Die geplanten Windräder dort sollen nicht nur Strom produzieren, sondern die Wärmepumpenkaskade der WEMAG antreiben, die künftig die Wohnungen der Neuen Lübecker, die Schule, die Kita und weitere Gebäude versorgen soll. Für die Bürger in Krudopp und Immenhof ist das eine Nachricht, die sie bisher nicht erhalten haben – und doch steht sie nun schwarz auf weiß in den offiziellen Unterlagen.

Die zentralen Akteure und die politische Weichenstellung

Dass diese Entwicklung nicht zufällig ist, zeigt ein Blick auf die zentralen Akteure: die WEMAG, ihre Tochtergesellschaft mea Energieagentur Mecklenburg‑Vorpommern sowie die kommunale WEMAG Energiedienste GmbH. Sie sind die Architekten der neuen Energieordnung, die Planer des Windparks, die Entwickler des Wärmenetzes und die Betreiber der künftigen Infrastruktur. Die Stadt Crivitz ist Partnerin, jedoch nicht treibende Kraft – und die Bürger bleiben bislang eher Zuschauer als Beteiligte. Auch die politische Dimension ist unübersehbar: Die entscheidenden Weichen wurden bereits 2024 mit dem Abschluss einer Absichtserklärung zur künftigen Zusammenarbeit mit der WEMAG („Letter of Intent“ – LoI) und 2025 mit dem Antrag der WEMAG auf Einleitung eines Verfahrens zur Änderung des fortgeltenden Flächennutzungsplans für das Windenergievorhaben „Crivitz West“ gestellt. Viele dieser Schritte erfolgten im nichtöffentlichen Teil der Sitzungen, ohne breite Diskussion, und wurden maßgeblich begleitet von einer kleinen, aber sehr einflussreichen Gruppe um Alexander Gamm. Er fungierte als sachkundiger Einwohner der CWG – Crivitz (Crivitzer Wählergemeinschaft) im Bauausschuss, als Ehemann der Bürgermeisterin Frau Britta Brusch-Gamm sowie als Vorsitzender der Arbeitsgruppe Wärme/Energie und damit als zentraler Ansprechpartner der WEMAG – eine Rolle, die ihm eine sehr erhebliche Gestaltungsmacht innerhalb des Projekts verlieh.

Windstrom als Grundlage der kommunalen Wärmeversorgung

So entsteht eine Situation, die für viele Bürger überraschend ist: Krudopp wird zur Energiequelle, die Neustadt erhält ein neues Heizwerk, die Stadt gründet neue Gesellschaften, und die WEMAG übernimmt zentrale Funktionen der Wärme‑ und Stromversorgung. All dies ist Bestandteil eines Gesamtplans, der am 4. Juli 2026 im Amtsausschuss des Amtes Crivitz als Kommunale Wärmeplanung (KWP) 2026 für das gesamte Amtsgebiet beschlossen werden sollte – obwohl die Öffentlichkeit der Stadt Crivitz über die neuen Dimensionen, die Millioneninvestitionen und die technische Abhängigkeit von Windstrom bislang kaum informiert wurde. Gerade deshalb ist es notwendig, die Fakten klar darzustellen und die Bürger mitzunehmen: Denn die neue Energieordnung betrifft nicht nur Technik und Infrastruktur, sondern auch Transparenz, politische Kultur und die Frage, wie Entscheidungen getroffen werden, die das Leben vieler Menschen über Jahrzehnte prägen.

Die Wärmewende Crivitz – beschlossen, bevor sie erklärt wurde: Vom Letter of Intent zur verdeckten Entwicklung 2024–2026

Als die mea Energieagentur am 30. April 2025 ihren Antrag zur Änderung des Flächennutzungsplans einreichte, war die energiepolitische Entwicklung in Crivitz längst vorgezeichnet. Bereits im September 2024 hatte die Stadtvertretung den „Letter of Intent“ mit der WEMAG und ihrer Tochtergesellschaft mea gebilligt – eine Absichtserklärung, die die gemeinsame Entwicklung eines Wärmeversorgungsprojekts für das Wohngebiet „Neustadt“ sowie die Nutzung städtischer Flächen für Windenergieanlagen ausdrücklich festschrieb. Alexander Gamm, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Wärme/Energie, trug die Inhalte damals in einer kurzen, sechsminütigen Rede vor. Im offiziellen Protokoll findet sich jedoch nur der lapidare Hinweis „Information zum Konzept für Wärme und Energie für die Stadt“ – ohne Dokumente, ohne Erläuterungen, ohne öffentliche Diskussion. Wer nicht anwesend war, erfuhr von den energiepolitischen Weichenstellungen nichts. Mit dem Antrag der mea vom April 2025 wurde diese Absichtserklärung faktisch umgesetzt.

Der Antrag enthielt bereits die vollständige Struktur der künftigen Energieordnung: die geplante Fernwärmeversorgung der Neustadt, die Sektorenkopplung von Wind‑ und Photovoltaikstrom zur Wärmebereitstellung, die Gründung gemeinsamer Projekt‑ und Betreibergesellschaften sowie die kommunale Beteiligung an den Einnahmemodellen. Die Unterlagen lagen seit Mai 2025 im Amt Crivitz , wurden aber erst kurz vor der Sitzung der Stadtvertretung im Dezember 2025 verteilt.

Die Opposition aus der CDU – Fraktion, AFD und BFC (Bündnis für Crivitz) bestehend, kritisierte schon damals die fehlende Wirtschaftlichkeitsrechnung, die fehlende Risikoanalyse und die fehlende öffentliche Beratung und Transparenz. Doch keine dieser Fragen wurde beantwortet. Dennoch setzte die CWG – Crivitz geführte Stadtspitze mit ihrer CWG- Fraktion mehrheitlich den Beschluss durch – offiziell zur Einleitung des Bauleitverfahrens für „Crivitz West“, mit der Begründung: Frau Britta Brusch-Gamm, man könne „Wenn wir es nicht machen, machen es andere“. Für die Bürger blieb der Eindruck: Es geht um nicht Windräder, um Strom, sondern um Einnahmen für die Stadt Crivitz – nicht um eine Wärmeplanung. Tatsächlich jedoch war die Wärmewende in Crivitz zu diesem Zeitpunkt längst beschlossen und vertraglich vorbereitet. Das integrierte Klimaschutzkonzept 2026, das am 15. April 2026 im Amtsausschuss verabschiedet wurde, definierte bereits die Energie‑ und Treibhausgasbilanz, die Handlungsfelder und Zielszenarien für die gesamte Region – einschließlich Crivitz. Die Zusammenarbeit mit der WEMAG und der mea war darin fest verankert. Die geplante Betreibergesellschaft, die Nutzungsverträge, die Einnahmemodelle und die Einbindung in die Wärmeversorgung waren detailliert beschrieben.

Mit anderen Worten: Die Wärmewende war politisch beschlossen, finanziell durchgeplant und organisatorisch vorbereitet, bevor die Bürger überhaupt erfuhren, was geschah. Erst die Informationsveranstaltung am 20. April 2026 brachte das Thema öffentlich auf den Tisch – allerdings zu einem Zeitpunkt, an dem alle wesentlichen Entscheidungen längst gefallen waren. Was als „Bürgerdialog“ angekündigt wurde, war in Wahrheit die nachträgliche Erklärung eines fertigen Plans: eines Projekts, das nicht aus einem offenen Prozess entstand, sondern aus politischen Absprachen, wirtschaftlichen Interessen und einer Haushaltslage, in der Windenergie weniger Klimaschutz als Haushaltsrettung bedeutete. Die Bürger wurden informiert, nachdem alles beschlossen war; beteiligt, nachdem sie ausgeschlossen wurden; und aufgefordert, Vertrauen zu haben, nachdem Transparenz verweigert worden war.

Stimme eines Bürgers zur Energieplanung

LeserMeinung: „Ich finde das angesichts der verschleierten Planungen in Crivitz West sehr spannend. Man verkauft den Einwohnern in Crivitz die neu geplanten drei oder fünf Windanlagen als notwendig für die Wärmeversorgung der Neustadt. Dabei glüht unser Stromnetz in LUP bereits jetzt. Der Strom von Crivitz-West würde über eine neue Trasse nach Wessin und dann weiter über das Hochspannungsnetz in andere Bundesländer gehen, die sich erfolgreicher gegen Windanlagen wehren. Dafür haben wir dann aber bundesweit mit die höchsten Strompreise. Wäre gut, die Kräfte in der Stadt gegen diese neu geplanten Anlagen zu bündeln und Alexander Gamm in den Arm zu fallen, der vermutlich persönlich davon profitiert – anders ist dessen 180‑Grad‑Wendung eigentlich nicht zu erklären.“ Redaktionelle Anmerkung: (Name der Verfasserin ist der Redaktion bekannt.) Diese Zuschrift spiegelt die persönliche Sicht eines Bürgers wider. Die Redaktion veröffentlicht sie in voller Länge, um die öffentliche Diskussion über die Energiepolitik in Crivitz West transparent abzubilden. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes wird der Name des Verfassers nicht genannt.

Altstadt und Vogelviertel – die stillen Räume der Wärmeplanung

Während die Crivitzer Neustadt im Wärmeplan 2026 als zentrales Zukunftsprojekt mit klaren technischen Maßnahmen, festen Investitionspfaden und einem detaillierten Zeitplan ausgewiesen ist, zeigt sich für andere Stadtteile ein deutlich anderes Bild. Besonders die Altstadt und das Vogelviertel rund um die Trammer Straße stehen im Schatten der großen Energiepläne – und genau das verdient eine klare Einordnung. Die Altstadt wird im Wärmeplan zwar als eigenes Prüfgebiet geführt, doch diese Einstufung bedeutet weniger, als viele Bürger vermuten würden. Sie ist energetisch relevant, weil sie eine hohe Wärmedichte, eine historisch gewachsene Gebäudestruktur und einen überdurchschnittlichen Wärmebedarf besitzt.

All das spricht grundsätzlich dafür, dass die Altstadt eines Tages ein Wärmenetz erhalten könnte. Doch der Wärmeplan bleibt auffallend zurückhaltend: Es wird lediglich geprüft, ob ein solches Netz technisch und wirtschaftlich sinnvoll wäre. Konkrete Maßnahmen, technische Festlegungen oder Investitionsentscheidungen fehlen vollständig. Auch ein Zeitplan existiert nicht. Erst in späteren Fortschreibungen – frühestens ab 2027 – soll entschieden werden, ob die Altstadt überhaupt Teil einer zentralen Wärmeversorgung wird. Bis dahin bleibt sie ein energetisches Fragezeichen, ein Gebiet, das zwar im Blick der Planer liegt, aber noch nicht Teil der tatsächlichen Wärmewende ist.

Noch deutlicher ist die Lage im Vogelviertel rund um die Trammer Straße. Dieses Gebiet taucht im gesamten Wärmeplan nicht ein einziges Mal als Fokusgebiet, Prüfgebiet oder Transformationsgebiet auf. Es wird energetisch schlicht nicht betrachtet. Die Gründe liegen in der Struktur: Einfamilienhäuser, niedrige Wärmedichte, keine öffentlichen Einrichtungen, keine bestehenden Wärmenetze und keine besonderen Potenziale für zentrale Wärmeversorgung. Damit gilt das Vogelviertel eindeutig als dezentrales Gebiet, in dem langfristig individuelle Wärmepumpen die Standardlösung sein werden. Es ist nichts geplant, es wird nichts geprüft, und es gibt keinen Zeitplan für zukünftige Konzepte. Das Vogelviertel läuft energetisch mit, aber es wird nicht gestaltet. Im Vergleich zur Neustadt, die mit Windstrom, Wärmepumpenkaskade, Pufferspeichern, neuen Gesellschaften und Millioneninvestitionen zum Herzstück der Crivitzer Energiezukunft wird, bleiben Altstadt und Vogelviertel weit zurück. Während in der Neustadt bereits konkrete Entscheidungen gefallen sind, müssen die übrigen Stadtteile warten, bis spätere Fortschreibungen überhaupt klären, ob und wann sie Teil der kommunalen Wärmeplanung werden. Für die Bürger bedeutet das: Die Wärmewende beginnt nicht in der Altstadt und nicht im Vogelviertel – sie beginnt ausschließlich in der Neustadt.

Vom Windpark zum Heizwerk – die technische Verknüpfung

Heute, im Wärmeplan 2026, zeigt sich ein völlig anderes Bild. Plötzlich steht dort, dass die geplanten Windräder bei Krudopp den Strom für das neue Heizwerk in der Crivitzer Neustadt liefern sollen. Die Wärmepumpenkaskade – bestehend aus einer Luft‑Wasser‑Wärmepumpe mit 934,8 kW Heizleistung und einer Wasser‑Wasser‑Wärmepumpe mit 1.102 kW – soll mit Windstrom betrieben werden. Die WEMAG Energiedienste plant einen 20‑Meter‑Pufferspeicher, zwei Speicherbehälter mit 50.000 und 5.000 Litern, und eine Netzführung, die den Windstrom bilanziell auch für kommunale Gebäude und Straßenbeleuchtung nutzbar macht. Die geplanten Windräder werden damit nicht nur Stromerzeuger, sondern zentrale Energiequelle der kommunalen Wärmeversorgung. Und was als regionales Energieprojekt erschien, ist nun ein zentraler Baustein der neuen Energieordnung Crivitz – ohne dass die Bürger in Krudopp, Immenhof oder der Neustadt darüber frühzeitig und ausreichend informiert wurden.

Millioneninvestitionen und neue Gesellschaftsstrukturen

Diese neue Rolle Krudopps ist nicht nur technisch bedeutsam, sondern finanziell gewaltig. Die Investitionskosten pro Windrad liegen bei 7 bis 9 Millionen Euro (gesamt: 21-27.Mio.€), der Bau soll ab 2030 beginnen. Die Wärmeprojektgesellschaft – die Crivitzer Wärme GmbH – soll gemeinsam von der Stadt und der WEMAG Energiedienste (50%/50%) gegründet werden. Parallel dazu soll eine kommunale Windpark‑Betreibergesellschaft entstehen, ebenfalls mit Beteiligung der Stadt und der mea (30-40% Crivitz / 60-70% WEMAG). Damit wird Krudopp nicht nur Standort eines Windparks, sondern Teil eines komplexen Geflechts aus Gesellschaften, Verträgen, Pachtmodellen und langfristigen Bindungen. Die Stadt verpflichtet sich zur Abnahme der Wärme für über eineinhalb Jahrzehnt, die WEMAG übernimmt die technische Betriebsführung, die mea die kaufmännische, und die Finanzierung erfolgt über Gesellschafterdarlehen, Fördermittel und Bankkredite.

Krudopp als Schlüsselort der Crivitzer Energiezukunft

Krudopp war lange ein Ort, den man eher überquerte als betrachtete – ein kleiner Splittersiedlungsbereich zwischen Feldern, Wald und der Landstraße nach Sukow. Nichts deutete darauf hin, dass dieser unscheinbare Fleck eines Tages eine zentrale Rolle in der Energiezukunft der Stadt Crivitz spielen würde. Doch genau das ist nun der Fall: Krudopp wird im Wärmeplan 2026 plötzlich zum Energiezentrum, zum Stromlieferanten, zum technischen Herzstück des neuen Heizwerks in der Neustadt. Die geplanten Windräder dort sollen nicht nur Strom erzeugen, sondern die Wärmepumpenkaskade antreiben, die künftig die kommunalen Gebäude und die Wohnquartiere der Neuen Lübecker versorgt. Damit wird Krudopp zu einem Ort, dessen Bedeutung weit über seine geografische Größe hinausreicht.

Diese neue Rolle kommt nicht aus dem Nichts, sondern aus einer Entwicklung, die im Mai 2025 begann, als die mea Energieagentur den Antrag zur Ausweisung des Windgebietes „Crivitz West“ stellte. Damals war die Begründung klar und überschaubar: Windenergie, kommunale Wertschöpfung, Gewerbesteuer, Beteiligungsmodelle. Doch im Wärmeplan 2026 steht nun, dass die Windenergie aus Krudopp die zentrale Energiequelle für die Wärmepumpen der WEMAG wird. Die Luft‑Wasser‑Wärmepumpe mit 934,8 kW Heizleistung und die Wasser‑Wasser‑Wärmepumpe mit 1.102 kW sollen bilanziell mit Windstrom betrieben werden. Die Pufferspeicher – 50.000 Liter und 5.000 Liter – sind bereits eingeplant. Die Netzführung ist definiert. Die technische Abhängigkeit ist eindeutig. Damit wird Krudopp zu einem Ort, der nicht nur Windräder bekommt, sondern eine kommunale Schlüsselrolle übernimmt. Die geplanten Windenergieanlagen – moderne Anlagen mit 4,2 bis 7,2 MW Leistung – sollen jährlich rund 18 bis 20 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen. Dieser Strom ist nicht für den allgemeinen Markt gedacht, sondern für die kommunale Wärmeversorgung. Die geplante Crivitzer Wärme GmbH, die gemeinsam von der Stadt und der WEMAG Energiedienste gegründet werden soll, wird diesen Strom nutzen, um die Wärmepumpen zu betreiben. Parallel dazu soll eine kommunale Windpark‑Betreibergesellschaft entstehen, ebenfalls mit Beteiligung der Stadt und der mea. Krudopp wird damit nicht nur Standort eines Windparks, sondern Teil eines komplexen Geflechts aus Gesellschaften, Verträgen und langfristigen Bindungen.

Die politische und technische Abhängigkeit im Überblick

Für die Bürger in Krudopp und Immenhof ist diese Entwicklung besonders bemerkenswert, weil sie bisher kaum darüber informiert wurden. Die Informationsveranstaltung am 20. April 2026 war keine Einwohnerversammlung, sondern eine Präsentation der WEMAG – und dort wurde zwar über Wind und Wärme gesprochen, aber nicht über die neue entscheidende Rolle „Krudopp“als wesentlicher neuer und wichtige Energiequelle des Heizwerks in der Neustadt.

Die politische Beratung dazu fand überwiegend im nichtöffentlichen Teil statt, und die Arbeitsgruppe Wärme/Energie, die diese Entwicklung maßgeblich vorantrieb, hat nie öffentlich diskutiert. Die Rolle von Alexander Gamm (als sachkundiger Einwohner der CWG – Crivitz (Crivitzer Wählergemeinschaft) im Bauausschuss, als Ehemann der Bürgermeisterin ), der als Vorsitzender dieser Arbeitsgruppe und als Ansprechpartner der WEMAG eine zentrale Figur war, ist dabei unübersehbar. Und mehr noch: Er erwies sich innerhalb der CWG ‑ Crivitz als treibende Figur, die die Linie zugunsten des Vorranggebietes Krudopp konsequent vorantrieb und die entsprechenden Beschlüsse mit spürbarem Nachdruck durchsetzte – eine Rolle, die sich auch im Ortsteil – Wessin zeigte, wo er sichtbar mitmischte und die Idee einer zentralen Energiequelle für die Neustadt strategisch platzierte. Diese Dynamik prägte die politische Phase bis zum 08.12.2025, als die Bürgermeisterin (Frau Britta Brusch-Gamm) die Arbeitsgruppe überraschend auflöste ein Schritt, der deutlich machte, dass der öffentliche Gegenwind inzwischen so stark geworden war, dass die bisherige Marschrichtung nicht mehr geräuschlos fortgeführt werden konnte.

Fazit:

Bauausschuss Crivitz:⚠️ „Führungswechsel mit Nähe zur Rathausspitze!“ 😡Öffentliche Tagesordnung leer – Entscheidungen nur noch im Geheimteil –🙈🙉🙊

03.Juli-2026/P-headli.-cont.-red./496[163(38-22)]/CLA-332/21-2026

Rückfall in alte Muster – und ein System, das sich selbst schützt! 😎

Es wirkt inzwischen wie ein Déjà-vu aus den Jahren der letzten Legislaturperiode von 2019 bis 2024: Der Bauausschuss der Stadt Crivitz ist erneut in jenen Modus zurückgefallen, den viele Bürgerinnen und Bürger noch aus der früheren Amtszeit des damaligen Ausschussvorsitzenden Alexander Gamm kennen. Diese Entwicklung ist keineswegs plötzlich entstanden – sie ist das Ergebnis einer jahrelangen politischen Kultur, die maßgeblich durch Alexander Gamm frühere Amtsführung geprägt wurde. Bereits in seiner damaligen Zeit als Bauausschussvorsitzender – lange bevor er zwischen Januar 2023 und Juni 2024 erneut in eine Schlüsselrolle zurückkehrte – etablierte er eine Sitzungsführung, deren Stil bis heute nachwirkt. Schon damals zeigte sich jenes Muster, das vielen bis heute präsent ist: eine Mischung aus Gereiztheit, impulsiven Überreaktionen und dem inzwischen sprichwörtlichen Satz „HIER LEITE ICH DIE SITZUNG UND HIER BESTIMME ICH“.

Die Rückkehr des „Bestimmerrechts

Diese Verhaltensweise war kein Ausrutscher, sondern prägte über Jahre hinweg die Arbeitsweise des Ausschusses. Kritik an fehlender Öffentlichkeit oder an der Auslegung der Kommunalverfassung MV führte regelmäßig zu emotionalen Ausbrüchen des Vorsitzenden. Die Versammlungsleitung tolerierte dieses Verhalten über lange Zeit hinweg – und damals wie heute galt Alexander Gamm selbst definiertes „Bestimmerrecht“ als quasi unantastbar. Herr Alexander Gamm tat und tut sich sichtbar schwer, unterschiedliche Sichtweisen als demokratische Normalität zu akzeptieren. Das Kommunikationsmuster von ihm erinnert an eine Haltung nach dem Prinzip „für mich oder gegen mich“. Wer eine andere Meinung äußert, galt schnell als Gegner statt als Gesprächspartner. Dieses Schwarz‑Weiß‑Denken erschwert seit Jahren den offenen Austausch in Crivitz und behindert eine demokratische Gesprächskultur, die Vielfalt und Kritik eigentlich als Stärke begreifen müsste. Trotz seiner begrenzten Kenntnisse im Kommunalverfassungsrecht MV und im Baugesetzbuch verstand er es, seine Position als Machtinstrument zu nutzen – eine Position, auf die er nach seiner Abwahl 2017 aus verschiedenen Ämtern der Stadt Crivitz lange, lange gewartet hatte. Diese frühere Amtsführung hat den Bauausschuss nachhaltig geprägt. Sie schuf eine politische Kultur, in der Transparenz als Störung empfunden wurde, Öffentlichkeit als lästig galt und Protokollführung eher als formale Pflicht denn als demokratische Verantwortung verstanden wurde. Genau diese Kultur bildet den Hintergrund für die heutigen Probleme: die systematische Verlagerung von Beratungen in den nichtöffentlichen Teil, die ausgedünnten Tagesordnungen, die fehlende Dokumentation und die bis heute unklare Protokollpraxis.

Heute, im Jahr 2026, zeigt sich dieses Muster erneut: Bauvorhaben, Planungen, Entscheidungen – all das, was in einer demokratischen Kommune selbstverständlich öffentlich beraten und nachvollziehbar dokumentiert werden müsste – verschwindet wieder systematisch im nichtöffentlichen Teil der Sitzungen. Die öffentliche Tagesordnung bleibt leer, die Bürger erfahren nichts, und eher eine vage Andeutung, worum es überhaupt ging. Diese erneute Verlagerung zentraler Beratungen in den nichtöffentlichen Raum verdeutlicht, wie tief die alten Strukturen weiterhin wirken und wie selbstverständlich sie inzwischen praktiziert werden. Seit rund zwölf Jahren gibt es in Crivitz keinen einzigen Beschluss der Stadtvertretung, der verbindlich regelt, wie Protokolle zu führen sind. In der Hauptsatzung der Stadt Crivitz finden sich lediglich die Mindestanforderungen der Kommunalverfassung MV, ohne jede Konkretisierung, wie diese Anforderungen in der Praxis umzusetzen sind. Ein klarer, politisch verantworteter Beschluss, der festlegt, wie ausführlich Protokolle sein müssen, welche Inhalte zwingend aufzunehmen sind und wie mit Einwohnerfragen umzugehen ist, fehlt vollständig. Diese Leerstelle wird genutzt – und zwar nicht zugunsten der Transparenz, sondern zu deren Aushöhlung.

➡️ Die Kommunalverfassung MV verlangt in § 40, dass über jede Sitzung ein Protokoll zu fertigen ist, das die wesentlichen Inhalte der Beratung, die Anträge, die Abstimmungsergebnisse und die gefassten Beschlüsse enthält. „Wesentliche Inhalte“ bedeutet nach Sinn und Zweck der Norm, dass der Bürger nachvollziehen können muss, welche Argumente ausgetauscht wurden, welche Positionen der Fraktionen vertreten wurden und auf welcher Grundlage ein Beschluss zustande kam. Die KV MV verlangt kein umfassendes Wortprotokoll, aber sie verlangt ein inhaltlich nachvollziehbares Ergebnisprotokoll, das eine Kontrolle des Handelns der jeweiligen Mandatsträger ermöglicht. Genau an dieser Stelle weicht die Praxis in Crivitz seit Jahren systematisch von der gesetzlichen Intention ab und zwar in einer Konsequenz, die inzwischen strukturellen Charakter hat.

➡️ Bei politisch sensiblen Themen erscheinen im Protokoll häufig nur Halbsätze oder stark verkürzte Formulierungen, die weder den Verlauf der Diskussion noch die unterschiedlichen Meinungen wiedergeben. Kritische Nachfragen fehlen, ganze Diskussionsstränge verschwinden, und die Protokolle wirken eher wie interne Verwaltungsskizzen als wie Dokumentationen öffentlicher Beratungen. So wird aus einem demokratischen Dokument ein politisch gefiltertes Produkt, das nur das enthält, was später nicht stört.

Besonders auffällig ist dieses Muster in der Einwohnerfragestunde. Fragen, Hinweise und Vorschläge werden oft so stark verkürzt, dass der ursprüngliche Inhalt kaum noch erkennbar ist. Nur dort, wo es dem politischen Machtgefüge entspricht, findet sich eine ausführlichere Wiedergabe. Unbequeme Themen werden reduziert, verallgemeinert oder vollständig ausgeblendet, während Antworten der Verwaltung häufig fehlen oder auf ein Minimum zusammengestrichen werden. Das Ergebnis ist ein Protokoll, das nicht abbildet, was gesagt wurde, sondern was man später bereit ist zuzugeben.


➡️Diese selektive Protokollierung erzeugt eine Form von „kreativer Transparenz“: Nach außen scheint alles dokumentiert, tatsächlich aber wird nur das festgehalten, was politisch gewünscht ist. Beiträge bestimmter Personen erscheinen ausführlicher und wohlwollender, während kritische Hinweise zu Vereinen, Projekten oder Konflikten auf wenige Worte reduziert werden. Das Protokoll wird damit zu einem Instrument der Deutungshoheit, nicht der objektiven Dokumentation. Hinzu kommt die zeitliche Dimension: Protokolle erscheinen oft erst nach zwei oder drei Monaten. Zu diesem Zeitpunkt sind viele Themen politisch längst erledigt, und eine öffentliche Diskussion ist kaum noch möglich. Die Kommunalverfassung zielt jedoch auf eine zeitnahe Veröffentlichung, weil Transparenz nur dann wirksam ist, wenn sie aktuell ist. Wer Protokolle systematisch verspätet veröffentlicht, entwertet sie als Instrument demokratischer Kontrolle.

Wie tief diese Strukturen inzwischen reichen, zeigte sich auch in der Bauausschusssitzung am 04. Juni 2026. Plötzlich und unerwartet stand ein erstaunlicher öffentlicher Tagesordnungspunkt zur Debatte: die Wahl des Vorsitzenden des Ausschusses und ggf. der Stellvertreter.

Ein Führungswechsel, der wie ein geordneter Rückzug wirkt – bevor Verantwortung und Mitsprache endgültig schwinden!

➡️Der Bauausschuss der Stadt Crivitz besteht aus insgesamt vier Stadtvertretern und drei sachkundigen Einwohnern. Zu den direkt gewählten Stadtvertretern gehören Normund Behning (783 Stimmen, Platz 2 von 49 Bewerbern), der von der AfD-Fraktion gesetzt wurde, sowie Niclas Fronk (160 Stimmen, Platz 16 von 49). Hinzu kommen zwei nicht direkt gewählte, sondern aufgrund von Rücktritten und Mandatsverzichten der CWG-Fraktion nachgerückte Stadtvertreter, nämlich Kurt Pekrul (130 Stimmen, Platz 20 von 49, Nachrücker – Stadtvertreter) und Michael Renker (114 Stimmen, Platz 24 von 49, Nachrücker – Stadtvertreter). Beide wurden – ebenso wie Fronk – von der CWG-Fraktion benannt.

Bauausschuss Crivitz: Vorsitz, Stellvertretung und Mitgliederstand bis zum 04.06.2026

Als sachkundige Einwohner wirken Henryk Krüger (72 Stimmen, Platz 27 von 49, benannt von der CDU-Fraktion), Rico Blohm (72 Stimmen, Platz 27 von 49, benannt vom Bündnis für Crivitz (BfC-Fraktion)) sowie Alexander Gamm (67 Stimmen, Platz 33 von 49, benannt von der CWG‑Crivitz). Den Vorsitz im Bauausschuss führte bislang Michael Renker von der CWG-Fraktion, der die Sitzungen als Ausschussvorsitzender leitete. Sein erster Stellvertreter war Henryk Krüger von der CDU, während Kurt Pekrul von der CWG-Fraktion die Funktion des zweiten Stellvertreters innehatte.

Während der betreffenden Juni-Sitzung, in der dieser Tagesordnungspunkt eigentlich beraten werden sollte, waren erneut nicht alle Mitglieder des Bauausschusses anwesend. Es fehlten sowohl Alexander Gamm als auch Niclas Fronk, beide Vertreter der CWG-Crivitz-Fraktion. Dieses Bild ist für den Bauausschuss der laufenden Wahlperiode keineswegs ungewöhnlich: Von insgesamt 20 Sitzungen seit der konstituierenden Sitzung im September 2024 waren lediglich vier vollständig besetzt, was einer Vollbesetzungsquote von nur 20 % entspricht.

Besonders auffällig ist die individuelle Teilnahmequote einzelner Mitglieder. Niclas Fronk (CWG) weist bislang die höchste Nichtteilnahmequote auf: Er fehlte in rund 50 % aller Sitzungen. (Von insgesamt 20 Sitzungen seit der konstituierenden Sitzung im September 2024)

Im Jahr 2025 lag der Spitzenwert der Abwesenheit jedoch bei Henryk Krüger (CDU), der von 11 Sitzungen 6‑mal fehlte, was einer Nichtanwesenheitsquote von 54,5 % entspricht. Unmittelbar dahinter folgten Niclas Fronk (CWG) mit 4 Fehlzeiten (36,4 %) sowie Rico Blohm (BfC), ebenfalls mit 4 Fehlzeiten (36,4 %).

Diese Zahlen verdeutlichen, dass der Bauausschuss nicht nur inhaltlich, sondern auch organisatorisch erheblich beeinträchtigt ist: Zentrale Beratungen finden regelmäßig ohne vollständige Besetzung statt, was die Qualität der Entscheidungsfindung und die demokratische Legitimation der Beschlüsse zusätzlich schwächt. Auffällig war an diesem Abend auch die Anwesenheit der Bürgermeisterin Britta Brusch‑Gamm, die als Gast an der Sitzung teilnahm – ein eher ungewöhnlicher Umstand, der jedoch angesichts der politischen Brisanz des Rücktritts und der anstehenden Neuwahl durchaus nachvollziehbar erschien.

Neuwahl des Vorsitzenden und des 1. Stellvertreter und 2. Stellvertreter

➡️ Als der Tagesordnungspunkt zur Neuwahl aufgerufen wurde, erklärte der bisherige Vorsitzende Michael Renker (CWG), dass er die Bürgermeisterin um Entbindung von seinem Amt gebeten habe, da er in seiner Nebenberuflichkeit inzwischen stark eingebunden sei. Zwar nannte er in der Sitzung nicht ausdrücklich, wo er tätig ist, doch es ist allgemein bekannt, dass er als Rentner regelmäßig mit seiner wöchentlichen Anzeige in der Schweriner Volkszeitung bzw. Nordkurier-Mediengruppe präsent ist und dort als Begleiter für das digitale Lesen arbeitet. Gerade diese zunehmende zeitliche Beanspruchung macht nachvollziehbar, weshalb er seine Funktion als Ausschussvorsitzender nicht mehr in der erforderlichen Verlässlichkeit ausüben konnte.

➡️ Als der Bauausschuss schließlich zur Neuwahl des Vorsitzenden überging, wurde ohne Umschweife der bisherige erste Stellvertreter Henryk Krüger (CDU) für den Vorsitz vorgeschlagen. Die Abstimmung verlief zügig und eindeutig: Mit vier Ja-Stimmen bei einer Gegenstimme wurde Krüger offen gewählt und übernahm damit offiziell die Leitung des Ausschusses.

Es wird darüber abgestimmt, eine offene Wahl durchzuführen (ja-Stimmen 5)
Wahl des Vorsitzenden: Herr Henryk Krüger wird als Vorsitzender vorgeschlagen, stellt sich zur Wahl und wird als Vorsitzender gewählt

 

Unmittelbar nach Krügers Wahl folgte die Bestimmung seines Nachfolgers als 1. Stellvertreter. Vorgeschlagen wurde Alexander Gamm (CWG, sachkundiger Einwohner), obwohl er an diesem Abend nicht anwesend war. Seine Ehefrau, Bürgermeisterin Brusch‑Gamm, bestätigte unmittelbar und spontan, dass sein Einverständnis zur Wahl selbstverständlich vorliege. Eine schriftliche Erklärung lag jedoch nicht vor, und sie wurde dem Ausschuss auch nicht vorgelegt. Gerade dieser Punkt wirkte auf viele Anwesende irritierend, denn üblicherweise wird ein solches Einverständnis zumindest dokumentiert. Dass die Wahl dennoch ohne Unterbrechung fortgeführt wurde, ist in Crivitz allerdings kein Novum. Ähnliche Situationen hat es in früheren Ausschüssen und Wahlperioden bereits mehrfach gegeben – man kennt sich eben, und manches läuft hier nach einem eigenen Muster. Die Bürgermeisterin erklärte, dass „alles in Ordnung“ sei und die Zustimmung vorliege. Dass die Kommunalverfassung MV an dieser Stelle eigentlich andere Anforderungen stellt, spielte in diesem Moment keine Rolle. In der Stadt Crivitz, so könnte man sagen, funktioniert manches pragmatischer – besonders dann, wenn Personen beteiligt sind, die sich seit Jahren gut kennen und im politischen wie im gesellschaftlichen Leben eng miteinander verflochten sind.

Wahl des 1. Stellvertreters: Herr Alexander Gamm wird vorgeschlagen und stellt sich, in Abwesenheit, zur Wahl; er hat sich im Vorhinein zur Wahl gestellt; Herr Rico Blohm wird vorgeschlagen, lehnt aber ab Herr Alexander Gamm wird, in Abwesenheit, zum 1. Stellvertreter gewählt

➡️ Die Abstimmung über den ersten Stellvertreter ergab schließlich drei Ja-Stimmen und zwei Gegenstimmen. Die Zustimmung kam eindeutig aus der CWG-Fraktion – Michael Renker und Kurt Pekrul sowie vom neuen Vorsitzenden Henryk Krüger (CDU). Die Gegenstimmen stammten von Rico Blohm (BfC) und Normund Behning (AfD).

Gerade das Zusammenspiel zwischen Henryk Krüger (CDU) und Alexander Gamm (CWG) ist beeindruckend. Beide arbeiteten bereits in der vorherigen Wahlperiode 2019 – 2024 sehr eng zusammen, als Alexander Gamm den Bauausschuss leitete und Henryk Krüger sein erster Stellvertreter war. Auch außerhalb des Ausschusses traten sie wiederholt gemeinsam in Erscheinung, etwa bei der Vorbereitung des Kinder- und Stadtfestes 2026, wo beide öffentlich im Amtsblatt gelobt wurden – von Jens Raulin (CWG-Fraktion) und der Bürgermeisterin Britta Brusch‑Gamm. Es ist ein eingespieltes Duo, das nun – nach einer kurzen Unterbrechung von zwei Jahren – wieder in seine alte Rollenverteilung zurückkehrt. Für manche Bürger wirkt dies wie ein Crivitzer Familienbonus, der sich durch die politischen Ebenen zieht – ein Geflecht aus langjährigen Bekanntschaften, gegenseitigen Unterstützungen und vertrauten Rollen, das in entscheidenden Momenten spürbar wird und den Eindruck vermittelt, dass bestimmte Personalentscheidungen weniger Ergebnis eines offenen Wettbewerbs sind als vielmehr Ausdruck eines eingespielten inneren Kreises.

Wahl des 2. Stellvertreters: Herr Kurt Pekrul stellt sich zur Wahl und wird zum 2. Stellvertreter gewählt

Im letzten Wahlgang wurde der zweite Stellvertreter bestimmt. Kurt Pekrul (CWG) stellte sich zur Wahl und wurde mit vier Ja-Stimmen bei einer Gegenstimme gewählt. Die einzige Gegenstimme kam aus der AfD-Fraktion, was angesichts der bekannten politischen Spannungen kaum überraschte.

NEU–>Bauausschuss Crivitz: Vorsitz, Stellvertretung und Mitgliederstand seit dem 04.06.2026

➡️So endete dieser Tagesordnungspunkt in seiner Abfolge mit seinen spontanen Wendungen und den ungewöhnlichen Umständen der Kandidaturen, die vielen Anwesenden als bemerkenswert und politisch aufgeladen in Erinnerung bleiben dürften. Mit der Wahl von Krüger und Gamm kehrt der Bauausschuss nun in jene personelle Konstellation zurück, die bereits die vorherige Wahlperiode geprägt hat – mitsamt all der bekannten Dynamiken, die sich in der Vergangenheit im Protokollwesen und in der Ausschusskultur gezeigt haben.

Bekanntgabe der Beschlüsse aus der vorherigen nichtöffentlichen Sitzung

➡️ Nachdem die Wahlen abgeschlossen waren, wandte sich der Ausschuss wie üblich der Bekanntgabe der Beschlüsse aus der vorherigen nichtöffentlichen Sitzung zu. Auch an diesem Abend zeigte sich erneut das vertraute Muster, das den Bauausschuss seit Jahren prägt: Fünf Bauvorhaben, die eigentlich nach dem Öffentlichkeitsprinzip zunächst im öffentlichen Teil hätten erscheinen müssen, wurden gar nicht erst dort behandelt, sondern wie selbstverständlich direkt im nichtöffentlichen Bereich verortet. Einvernehmen, Bauanträge, Abwägungen – all das findet in Crivitz traditionell hinter verschlossenen Türen statt, ohne dass die Öffentlichkeit auch nur die Chance auf eine Nachfrage erhält.

➡️ So wurden auch diesmal lediglich die Beschlüsse BV Cri SV 2006/26, BV Cri SV 2013/26 und BV Cri SV 2014/26 „bekannt gegeben“ – nicht erläutert, nicht erklärt, nicht eingeordnet. Als spontan nachgefragt wurde, ob es sich dabei um Einvernehmen oder andere Entscheidungen handelte, verwies die anwesende Mitarbeiterin des Sitzungsdienstes darauf, dass es kein Wortprotokoll gebe und daher auch nichts weiter mitzuteilen sei. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Alles wird nichtöffentlich beraten, die Beschlüsse werden nur als Nummern oder Synonyme verkündet, und am Ende heißt es, ein Ergebnisprotokoll gebe ohnehin nichts her. So sieht die Öffentlichkeitsarbeit dieses Ausschusses aus – ein Muster, das wir bereits aus der vorherigen Wahlperiode kennen und das sich nun unverändert fortsetzt.

In der Gesamtschau entsteht der Eindruck, dass sich die alten Strukturen wieder vollständig geschlossen haben. Die personellen Verhältnisse ähneln frappierend denen vor der letzten Wahlperiode: Der Ehemann der Bürgermeisterin, Alexander Gamm (CWG, sachkundiger Einwohner), ist wieder in einer zentralen Position angekommen auch mit Hilfe der CDU – Fraktion, obwohl er bei der Kommunalwahl mit 67 Stimmen von rund 7978 gültigen Wahlstimmen weit von einem Mandat entfernt war. Durch die CWG wurde er erneut als sachkundiger Einwohner benannt und nun – trotz Abwesenheit und ohne schriftliche Zustimmung – wieder zum ersten Stellvertreter des Bauausschusses gewählt.

FAZIT

Angesichts der bekannten Abwesenheitsquote von Henryk Krüger (CDU), dem neuen Vorsitzenden, ist absehbar, dass Alexander Gamm den Ausschuss künftig wieder intensiv prägen wird – so wie in der vorherigen Wahlperiode. Für viele Bürger wirkt dies wie ein Crivitzer Familienbonus, ein enges Geflecht aus persönlichen Bindungen, politischer Nähe und gegenseitiger Unterstützung, das sich durch die Ebenen der Stadtpolitik zieht und in entscheidenden Momenten sichtbar wird.