26.Juni-2026/P-headli.-cont.-red./495[163(38-22)]/CLA-331/20-2026

âCrivitz ruft um Hilfe â doch die Finanzkrise ist selbst verursachtâ
Es gibt Momente in der Kommunalpolitik, in denen man sich fragt, ob man lachen oder weinen soll. Der Aktionstag âKommunen am Limitâ am 22. Juni 2026 war fĂŒr die Stadt Crivitz genau ein solcher Moment. WĂ€hrend bundesweit StĂ€dte, Gemeinden und Landkreise auf strukturelle Unterfinanzierung aufmerksam machten, nutzte die dominierte Stadtspitze der CWG-Crivitz der Stadt Crivitz diesen Tag, um sich â wie so oft â als Opfer Ă€uĂerer UmstĂ€nde darzustellen. Doch wer die Zahlen kennt, wer die Haushalte der letzten zwölf Jahre gelesen hat, wer die BeschlĂŒsse verfolgt hat, der weiĂ: Die Finanzkrise in Crivitz ist nicht importiert, sondern selber hausgemacht.
Die Stadt Crivitz steht im Jahr 2026 vor einer finanziellen Lage, die man ohne Ăbertreibung als selbstverschuldete Krise bezeichnen muss. Die Stadt ist nicht zufĂ€llig âam Limitâ, sie wurde ĂŒber Jahre hinweg dorthin gefĂŒhrt â Schritt fĂŒr Schritt, Beschluss fĂŒr Beschluss, Haushalt fĂŒr Haushalt. Und doch entsteht fĂŒr viele BĂŒrgerinnen und BĂŒrger der Eindruck, als seien Bund, Land und Kreis die eigentlichen Verursacher der Misere. Dieser Eindruck kommt nicht von ungefĂ€hr, sondern wird politisch gezielt erzeugt â unter anderem durch die eigene Stadtspitze der Stadt Crivitz.

Am 22. Juni 2026 veröffentlichte die BĂŒrgermeisterin Britta BruschâGamm (CWG-Crivitz) ein Statement zum Aktionstag âKommunen am Limitâ. Die BĂŒrgermeisterin Frau Britta BruschâGamm erklĂ€rte am Aktionstag öffentlich: âAuch Crivitz ist davon betroffen. Trotz vieler Investitionen seit Jahren in Kindereinrichtungen, Schulen, BrĂŒcken, Wege, Feuerwehr, Barrierefreiheit schaffen wir es nicht, den gesamten Sanierungsstau abzubauen. Personaleinsparungen bedeuten Weglassen von Arbeiten, die deutlich das Stadtbild verĂ€ndern werden. Sparen bei freiwilligen Leistungen bedeuten EinschrĂ€nkungen bei Vereinen und Ehrenamt, Kunst und Kultur, Jugend- und Seniorenarbeit. Das können wir so nicht lĂ€nger hinnehmen.â Ein Satz, der auf den ersten Blick nach Verantwortungsbewusstsein klingt â auf den zweiten jedoch als prĂ€zise gesetzte Ablenkung. Denn entscheidend ist nicht, was gesagt wird, sondern was bewusst verschwiegen bleibt:
- – Nicht Bund, nicht Land, nicht Kreis haben entschieden, wie Crivitz seine Millionen ausgibt â sondern die CWG â Crivitz Mehrheit, der die BĂŒrgermeisterin seit Jahren selbst angehört.
- – Nicht Berlin oder Schwerin haben die RĂŒcklagen der Stadt auf 92âŻEuro heruntergewirtschaftet â das war die Stadtvertretung unter CWG â FĂŒhrung.
- – Nicht der Bundestag hat Investitionsquoten von bis zu 400âŻ% beschlossen â das war die lokale Mehrheit, die glaubte, man könne Wohlstand schaffen, ohne die Folgekosten mitzudenken.
Wenn die BĂŒrgermeisterin also sagt: âDas können wir so nicht lĂ€nger hinnehmenâ, mĂŒsste sie ehrlicherweise hinzufĂŒgen: â⊠denn wir haben es selbst verursacht.â

Das eigentliche Problem: Verantwortung wird beschworen â aber nicht ĂŒbernommen. Die BĂŒrgermeisterin spricht ĂŒber Verantwortung, aber nicht ĂŒber ihre eigene. Sie verschweigt, dass die CWGâMehrheit, der sie selbst angehört, seit zwölf Jahren die zentralen Haushaltsentscheidungen trifft. Sie sagt nicht, dass die RĂŒcklagen nicht wegen Bund oder Land, sondern zur Deckung eigener Defizite aufgebraucht wurden. Sie erwĂ€hnt nicht, dass die extremen Investitionsquoten â 167âŻ% im Durchschnitt, bis zu 400âŻ% in der Spitze â keine Ă€uĂere Notwendigkeit, sondern eine politische Entscheidung der Stadtvertretung waren.

Wer in Crivitz entschied â und wer die Verantwortung trĂ€gt. Ein Blick auf die politische RealitĂ€t genĂŒgt:
Seit 2014 stellt die CWGâFraktion die dominierende Kraft in der Stadtvertretung. Von 2019 bis 2024 verfĂŒgte sie sogar ĂŒber eine absolute Mehrheit. Das bedeutet: – HaushaltsbeschlĂŒsse: CWGâMehrheit;- Investitionsprogramme: CWGâMehrheit;- Personalentscheidungen, Ausgabensteigerungen, ReprĂ€sentationsetats: CWGâMehrheit. Die BĂŒrgermeisterin ist keine auĂenstehende Beobachterin, sondern Teil dieser Mehrheit. Sie hat ĂŒber Jahre hinweg mit abgestimmt, mitgetragen und mitverantwortet. Wenn sie heute sagt: âDas können wir so nicht lĂ€nger hinnehmenâ, mĂŒsste sie â der Ehrlichkeit halber â hinzufĂŒgen: â⊠weil wir es selbst so beschlossen haben.â
Die Fakten sind eindeutig:
Bauhof und GebĂ€udereinigung â Kostenexplosion ohne Steuerung
Die Aufwendungen fĂŒr die kommunalen Bauhöfe stiegen von 339âŻTsd.âŻâŹ (2014) auf 773âŻTsd.âŻâŹ (2025) â ein Plus von 128âŻ%.
Noch drastischer ist die Entwicklung bei der GebĂ€udereinigung: Seit der Rekommunalisierung 2019 explodierten die Kosten von 158âŻTsd.âŻâŹ auf 702âŻTsd.âŻâŹ (2025) â ein Anstieg um 344âŻ%. Man könnte meinen, Crivitz habe in dieser Zeit eine Putzkolonne fĂŒr den gesamten Landkreis LUP aufgebaut. Das RechnungsprĂŒfungsamt mahnte wiederholt seit 2019, dass die kommunalen Bauhöfe ohne Steuerungsinstrumente arbeiten â doch die CWG – Crivitz Mehrheit winkte ab. TatsĂ€chlich aber fehlt bis heute eine interne Leistungsverrechnung beim Bauhof, die Kosten und Leistungen transparent macht. Man vertraute lieber auf das Prinzip Hoffnung: Das wird schon irgendwie gehen.

LiquiditĂ€t â Vom Ăberschuss ins Minus
Die Entwicklung der liquiden Mittel zeigt den freien Fall: Von 3,09âŻMio.âŻâŹ (2020) auf â1,66âŻMio.âŻâŹ (2026).
Damit ist Crivitz faktisch zahlungsunfĂ€hig. Die Stadt lebt auf Pump, finanziert sich ĂŒber Kassenkredite und steht ab 2027 unter Haushaltssicherung. Diese Entwicklung ist kein Schicksal, sondern das Ergebnis einer Ausgabenpolitik ohne Gegenfinanzierung. WĂ€hrend andere Gemeinden im Amt Crivitz ihre Haushalte stabilisierten, verbrauchte die Stadt Crivitz sĂ€mtliche RĂŒcklagen (ĂŒber 3Mio.âŹ) â zuletzt blieben nur 92âŻâŹ ĂŒbrig. Und wĂ€hrend die LiquiditĂ€t ins Minus rutscht, steigen die Ausgaben weiter. Das nennt man in Crivitz offenbar âkluge Finanzplanungâ.

Kultur und BĂŒrgerhaus â steigende Kosten trotz Finanznot
Auch im Bereich Heimatâ und Kulturpflege zeigt sich das gleiche Muster: Die Aufwendungen stiegen von 70.667âŻâŹ (2020) auf ĂŒber 221.694âŻâŹ (2023). Selbst in den Folgejahren, in denen die Stadt bereits tief im Defizit steckte, wurden die Ausgaben kaum reduziert. Statt PrioritĂ€ten zu setzen, hielt die CWGâ Crivitz Mehrheit an einem âWeiter soâ fest â mit dem Ergebnis, dass freiwillige Leistungen heute die Pflichtaufgaben gefĂ€hrden.

ReprĂ€sentationskosten â Symbolpolitik statt Sparpolitik
Die Gesamtkosten der ReprĂ€sentationen stiegen von 20.986âŻâŹ (2020) auf 77.600âŻâŹ (2025).WĂ€hrend die Stadt ihre LiquiditĂ€t verlor, wuchsen die Ausgaben fĂŒr öffentliche Auftritte und Veranstaltungen um mehr als das Dreifache. Diese Entwicklung zeigt, dass die CWGâMehrheit selbst in der Krise Selbstdarstellung ĂŒber Haushaltsdisziplin stellte. Stattdessen wurde weiter investiert â in Veranstaltungen, in ReprĂ€sentationen, in das schöne Bild nach auĂen.

Jahresergebnisse â ein Jahrzehnt im roten Bereich
Seit 2014 verzeichnet Crivitz ein kumuliertes Defizit von â5,64âŻMio.âŻâŹ. Das durchschnittliche Jahresergebnis liegt bei â433.797âŻâŹ. Nur in zwei Jahren (2016 und 2020) gab es positive Ergebnisse â beide durch Sondereffekte, nicht durch nachhaltige HaushaltsfĂŒhrung. Die Trendlinie zeigt eine stetige AbwĂ€rtsbewegung. SpĂ€testens ab 2021 war die Krise sichtbar, doch die CWG- Crivitz Mehrheit reagierte nicht mit Konsolidierung, sondern mit weiteren Ausgaben.

Keine dieser Zahlen ist von Bund oder Land beschlossen worden.
Sie sind das Ergebnis kommunaler Entscheidungen in Crivitz. Bund und Land â Geldgeber, sie sind nicht Verursacher der Situation in der Stadt Crivitz. NatĂŒrlich ist es richtig, dass die kommunale Ebene bundesweit unter steigenden Sozialausgaben leidet. Es stimmt auch, dass Bund und LĂ€nder Aufgaben ĂŒbertragen, deren Finanzierung nicht immer auskömmlich ist. Das ist ein strukturelles Problem â aber es erklĂ€rt nicht die spezifische Lage von Crivitz.
Denn Bund und Land haben Crivitz ĂŒber Jahre hinweg unterstĂŒtzt:
- – mit Fördermitteln fĂŒr Schulen, Kindereinrichtungen, Feuerwehr, Infrastruktur, Barrierefreiheit, Digitalisierung,
- – mit Zuweisungen, Pauschalen, Programmen, die gerade dazu dienen sollten, die kommunale HandlungsfĂ€higkeit zu sichern.
Diese Mittel hĂ€tten genutzt werden können, um die Haushaltslage zu stabilisieren, RĂŒcklagen zu stĂ€rken, Investitionen maĂvoll zu steuern. Stattdessen wurden sie in eine Politik eingespeist, die auf DauerĂŒberhitzung setzte: immer neue Projekte, immer neue MaĂnahmen, immer neue Ausgaben â ohne die laufenden Kosten im Ergebnishaushalt im Blick zu behalten. Wenn die BĂŒrgermeisterin Frau Britta Brusch â Gamm ( CWG-Crivitz) heute den Eindruck erweckt, Crivitz sei vor allem Opfer einer bundesweiten Finanzkrise, dann verschweigt sie, dass die Stadt ihre eigenen SpielrĂ€ume nicht zur Konsolidierung, sondern zur SelbstĂŒberforderung genutzt hat.

Die eigentliche Verantwortung â klar und ohne AusflĂŒchte in klaren SĂ€tzen:
- – Die Finanzkrise in der Stadt Crivitz ist hausgemacht.
- – Sie ist Folge einer MehrheitsfĂŒhrung der CWG â Crivitz Fraktion, die Investitionen ĂŒber Konsolidierung stellte, Ausgaben steigerte, RĂŒcklagen verbrauchte und Warnungen ignorierte.
- – Die BĂŒrgermeisterin ist Teil dieser Mehrheit und trĂ€gt politische Mitverantwortung fĂŒr die Lage, die sie heute beklagt.
- – Bund, Land und Kreis haben Crivitz unterstĂŒtzt, sie sind nicht die Verursacher der lokalen Haushaltsmisere.
- – Die Finanzmisere in der Stadt Crivitz ist das Ergebnis des eigenen Handelns â nicht fremder Entscheidungen.
Fazit:
Wer heute von âVerantwortungâ spricht, muss bereit sein, sie auch zu ĂŒbernehmen. Verantwortung heiĂt nicht, mit erhobenem Finger nach oben zu zeigen und Bund und Land zu mahnen. Verantwortung heiĂt, nach innen zu schauen und zu sagen: âWir haben Fehler gemacht. Wir haben ĂŒber unsere VerhĂ€ltnisse gelebt.â
Erst wenn diese Ehrlichkeit möglich ist, kann Crivitz den Weg aus der Krise finden. Die Finanzkrise in Crivitz ist nicht das Ergebnis von Bund, Land oder Kreis. Sie ist das Ergebnis einer absoluten CWG â Crivitz Mehrheit von 2019 – 2024, die die Haushaltslage systematisch ĂŒberlastet hat. Die BĂŒrgermeisterin ist Teil dieser Mehrheit und trĂ€gt politische Mitverantwortung. Die Misere ist selbst gemacht â nicht fremd verschuldet. Oder, um es mit der Ironie zu sagen, die die Lage verdient: Wenn man sich selbst in die Krise rechnet, sollte man wenigstens den Taschenrechner nicht dem Bund und Land in die Schuhe schieben.