😡Weniger Köpfe, mehr Kosten: 😱Der Stellenplan 2026 als teure Schein‑Sanierung!

26.Mai-2026 /P-headli.-cont.-red./487[163(38-22)]/CLA-323/12-2026

Crivitz steht an einem Punkt, an dem man nicht mehr nur von „engem Spielraum“ sprechen kann, sondern von einer Stadt, die finanziell auf eine Wand zusteuert – und zwar mit Tempo. Wer in den neuen Haushaltsplan und den Stellenplan 2026 schaut, sieht nicht einfach ein paar Tabellen mit Zahlenkolonnen, sondern ein Bild, das viel ĂŒber die politische Steuerung der Stadt, ĂŒber PrioritĂ€ten und ĂŒber den Umgang mit Verantwortung erzĂ€hlt. Und je genauer man hinschaut, desto deutlicher wird: Hier wird nicht ehrlich saniert, hier wird auf dem Papier beruhigt, wĂ€hrend im Hintergrund die Kosten explodieren und die Strukturen aus dem Gleichgewicht geraten.

Am Anfang steht die nackte Haushaltslage. Im Ergebnishaushalt klafft 2026 ein Loch von 996.000 €, im Finanzhaushalt fehlen sogar 1.105.100 €. Die liquiden Mittel rutschen bereits 2026 ins Minus – rund –741.308 € – und fallen bis 2029 auf etwa –1,77 Mio. €. Die RĂŒcklagen sind nahezu vollstĂ€ndig aufgebraucht, der Puffer ist weg. Ab 2027 gelingt der Haushaltsausgleich selbst rechnerisch nicht mehr, das heißt: Crivitz kann seine laufenden Ausgaben nicht mehr aus eigener Kraft decken. Damit ist klar, was viele Verantwortliche in der CWG – Crivitz dominierten Stadtspitze noch gern weich formulieren: Die Stadt steuert unausweichlich auf ein Haushaltssicherungskonzept zu, also auf eine Phase, in der andere – Aufsichtsbehörden, Rechtsaufsicht, Vorgaben – mitbestimmen, was vor Ort noch möglich ist und was nicht. In genau dieser Lage legt die Stadtspitze nun den neuen Stellenplan 2026 vor. Und dieser Stellenplan ist kein neutrales Verwaltungsdokument, sondern ein politisches Signal.

Auf dem Papier stehen 132 Stellen. TatsĂ€chlich arbeiten aber nur noch 118 Menschen fĂŒr Crivitz – acht weniger als im Vorjahr. Einige Stellen sind unbesetzt, andere gestrichen, wieder andere in winzige Stundenanteile zerlegt, die kaum noch arbeitsfĂ€hig sind. Wer nur die Tabellen liest, könnte meinen: „Die Stadt spart Personal, sie verschlankt sich, sie reagiert auf die Krise.“ Doch das Gegenteil ist der Fall. WĂ€hrend die Zahl der Köpfe sinkt, steigen die Personalkosten weiter an.

Alle real wegfallenden Stellen

Höhergruppierungen, neue Strukturen, zusĂ€tzliche Stundenanteile, steigende Jahressonderzahlungen und absehbare Tarifsteigerungen sorgen dafĂŒr, dass Crivitz mit weniger Personal kĂŒnftig mehr bezahlen muss.

Höhergruppierung – Gesamt: 2026

Schon 2026 steigt die Jahressonderzahlung auf 85 % des Bruttogehalts – ein krĂ€ftiger Kostentreiber, der alle Bereiche betrifft. Ab Mai 2027 beginnt die nĂ€chste Tarifrunde im öffentlichen Dienst, mit erwarteten rund drei Prozent Mehrkosten. Jede Höhergruppierung, die heute beschlossen wird, wirkt dann wie ein VerstĂ€rker: höhere GrundgehĂ€lter, höhere Sozialabgaben, höhere Folgekosten in jeder kĂŒnftigen Tarifrunde. Das ist kein einmaliger Effekt, sondern eine dauerhafte Belastung. Weniger Mitarbeiter bedeuten also nicht weniger Kosten – im Gegenteil: Die Stadt wird mit weniger Köpfen kĂŒnftig deutlich mehr bezahlen mĂŒssen.

Alle Stundenreduzierungen

Der Stellenplan vermittelt damit kein Bild von StabilitĂ€t, sondern wirkt wie eine Scheinsanierung auf dem Papier. Nach außen sieht alles ordentlich aus: Tabellen, Spalten, Summen.

Alle neu geschaffenen / neu zugeordneten Stellen

Doch hinter dieser Fassade stehen steigende Kosten, sinkende PersonalstĂ€rke und eine Haushaltslage, die ab 2027 endgĂŒltig kippt. Der Stellenplan 2026 in Crivitz reduziert Personal, ohne Kosten langfristig zu senken. Er schafft neue Strukturen, ohne Aufgaben klar zu definieren. Er erhöht die langfristigen Ausgaben, obwohl die Stadt kurz vor der finanziellen HandlungsunfĂ€higkeit steht. Im Kern ist er ein Dokument, das StabilitĂ€t vorgibt, aber InstabilitĂ€t erzeugt.

Der Bauhof – ein Bereich wird geschwĂ€cht und gleichzeitig verteuert

Der Bauhof ist einer der Bereiche, in denen die Folgen des Stellenplans 2026 am deutlichsten sichtbar werden. Er ist kein „nice to have“, sondern eine zentrale Pflichtaufgabe der Stadt: GrĂŒnflĂ€chenpflege, Winterdienst, Straßenunterhaltung, SpielplĂ€tze, Friedhofspflege, Reparaturen im gesamten Stadtgebiet – alles Dinge, die man sofort merkt, wenn sie nicht mehr funktionieren. Und doch ist der Bauhof 2026 zu einem der teuersten Bereiche geworden, nicht weil dort plötzlich Luxus betrieben wĂŒrde, sondern weil politische Entscheidungen getroffen wurden, die tief in die Kostenstruktur eingreifen, ohne auf einer soliden Grundlage zu stehen. Anfang Januar 2026 wurden mehrere Mitarbeiter des Bauhofs höhergruppiert – nicht um eine Stufe, sondern gleich um zwei Entgeltgruppen, von EG 4 auf EG 6, was einer Kostensteigerung von rund 60 % pro Stellen entspricht. Diese Entscheidung wurde getroffen, ohne vorherige Beratung in den AusschĂŒssen, ohne Beteiligung der Stadtvertretung, ohne eine interne Leistungsverrechnung, ohne eine Analyse der tatsĂ€chlichen Arbeits‑ und Maschinenstunden und ohne eine WirtschaftlichkeitsprĂŒfung. Mit anderen Worten: Es wurden Fakten geschaffen, die den Haushalt ĂŒber Jahre belasten, ohne dass die Stadt ĂŒberhaupt genau weiß, wie viel Leistung an welcher Stelle erbracht wird oder ob diese Höhergruppierungen tariflich und inhaltlich gerechtfertigt sind.

Stellenplan Bauhof 2026

Dabei ist genau das der entscheidende Punkt: Crivitz verfĂŒgt bis heute ĂŒber keine funktionierende interne Leistungsverrechnung. Es gibt keine systematische Erfassung, wie viele Mitarbeiterstunden in welche Aufgaben fließen, wie viele Maschinenstunden fĂŒr welche Produkte anfallen, wie hoch die tatsĂ€chlichen Kosten pro Leistungseinheit sind. Seit 12 Jahren wurden Entscheidungen ĂŒber Personal und Technik getroffen, ohne diese Datenbasis aufzubauen. Unsere Auswertungen der vorhandenen Maschinen‑ und Mitarbeiterstunden zeigen, dass viele AblĂ€ufe eher historisch gewachsen als betriebswirtschaftlich gesteuert sind. Es gibt Bereiche, in denen Maschinen regelmĂ€ĂŸig im Einsatz sind, ohne dass klar ist, ob sich dieser Einsatz gegenĂŒber einer Fremdvergabe rechnet. Es gibt TĂ€tigkeiten, die von höhergruppierten Mitarbeitern erledigt werden, obwohl sie inhaltlich eher einfachen Aufgaben entsprechen. Und es gibt keine belastbare Grundlage, um zu sagen: „Diese Höhergruppierung ist durch nachweisbar anspruchsvollere Aufgaben gerechtfertigt.“

Haushaltsplan 2026 – Bauhof – Personalauszahlungen

Schaut man in die Haushaltszahlen, wird die Schieflage noch deutlicher. Die VergĂŒtungen fĂŒr die Arbeitnehmer im Bauhof liegen 2026 bei rund 416.500 Euro, 2027 bereits bei 459.600 Euro, 2028 bei 475.100 Euro und 2029 bei 490.700 Euro. Das bedeutet: Weniger Personal verursacht Jahr fĂŒr Jahr höhere Kosten. Parallel dazu zeigt der Haushaltsplan fĂŒr die gesamten Personalkosten des Bauhofs 550.500 Euro im Jahr 2025, 536.000 Euro im Jahr 2026 und 592.100 Euro im Jahr 2027. 2026 sinken die Personalkosten rechnerisch leicht, doch das liegt ausschließlich daran, dass weniger Mitarbeiter vorhanden sind; bereits 2027 steigen sie sprunghaft an – nicht wegen neuer Aufgaben, sondern wegen der höheren Entgeltgruppen und der Tarifsteigerung, die sich auf einem höheren Niveau fortschreibt. Der Stellenplan suggeriert also Entlastung, wĂ€hrend die tatsĂ€chliche Kostenkurve nach oben zeigt.

Mitarbeiterstundenkosten 2026 und 2027

Wir rechnen mit den offiziellen Zahlen:

2026

Personalkosten: 536.000 € BeschĂ€ftigte: 8 VzÄ Arbeitsstunden pro Jahr: 8 × 1.680 = 13.440 Stunden

âžĄïž Kosten pro Mitarbeiterstunde 2026: 39,88 €

2027

Personalkosten: 592.100 € BeschĂ€ftigte: 8 VzÄ Arbeitsstunden: 13.440

âžĄïž Kosten pro Mitarbeiterstunde 2027: 44,06 €

Um die tatsĂ€chliche Lage zu verstehen, reicht es nicht, nur auf die Tabellen des Stellenplans zu schauen. Erst die Auswertung der Mitarbeiterstunden und Maschinenstunden zeigt, wie tief die Probleme wirklich reichen. Weil die Stadt Crivitz seit Jahren keine interne Leistungsverrechnung fĂŒhrt, mussten wir die Zahlen aus dem Haushaltsplan selbst berechnen – und genau diese Berechnungen machen sichtbar, wie stark die Kosten steigen, obwohl die Leistung nicht wĂ€chst. 2026 arbeiten im Bauhof rechnerisch acht VollzeitkrĂ€fte, was bei 1.680 Jahresstunden pro Stelle insgesamt 13.440 Arbeitsstunden ergibt. Teilt man die im Haushaltsplan ausgewiesenen Personalkosten von 536.000 Euro durch diese Stunden, ergibt sich ein Mitarbeiterstundensatz von 39,88 Euro. Ein Jahr spĂ€ter, 2027, bleibt die Zahl der Arbeitsstunden gleich, doch die Personalkosten steigen auf 592.100 Euro – der Stundensatz springt damit auf 44,06 Euro. Das bedeutet nicht, dass weniger gearbeitet wird, sondern dass jede einzelne Stunde fĂŒr die Stadt deutlich teurer wird, weil die höheren Entgeltgruppen und die Tarifsteigerung auf einem höheren Niveau fortgeschrieben werden.

Maschinenstundenkosten 2026 und 2027

Da keine ILV existiert, mĂŒssen wir die Maschinenkosten aus den Haushaltsdaten ableiten:

Relevante Kosten 2026

  • Wartung/Instandhaltung Fahrzeuge: 24.200 €
  • Betriebsstoffe: 20.000 €
  • Abschreibungen Fahrzeuge: 39.700 €
  • Kfz‑Steuer: 1.800 €
  • Versicherungen: 5.800 €

âžĄïž Gesamte Maschinenkosten 2026: 91.500 €

Wir rechnen mit 1.000 Maschinenstunden pro Jahr (konservativer Ansatz).

âžĄïž Kosten pro Maschinenstunde 2026: 91,50 €

âžĄïž Kosten pro Maschinenstunde 2027: 91,10 €

Noch deutlicher wird die Schieflage bei den Maschinenstunden. Auch hier gibt es keine Erfassung, keine Steuerung und keine Transparenz. Wir mussten die Maschinenkosten aus Wartung, Betriebsstoffen, Abschreibungen, Versicherungen und Steuern selbst zusammenfĂŒhren. FĂŒr 2026 ergeben sich so 91.500 Euro, fĂŒr 2027 rund 91.100 Euro. Rechnet man konservativ mit 1.000 Maschinenstunden pro Jahr, kostet jede Maschinenstunde rund 91 Euro. Das ist ein außergewöhnlich hoher Wert fĂŒr eine Stadt mit ĂŒberschaubarer GebĂ€udetechnik und einfachen Einsatzprofilen, und er wĂ€re nur dann gerechtfertigt, wenn die Maschinen hochkomplexe oder besonders anspruchsvolle Aufgaben erfĂŒllen wĂŒrden – was in Crivitz nicht der Fall ist. Gleichzeitig bleiben die Maschinenkosten hoch, obwohl keine großen Neuinvestitionen geplant sind: Wartung, Betrieb, Ersatzteile – all das lĂ€uft weiter, ohne dass die Stadt sagen kann, wie teuer eine Maschinenstunde tatsĂ€chlich ist und ob die vorhandenen KapazitĂ€ten effizient genutzt werden. Weil die Stadt nicht erfasst, wie viele Maschinenstunden tatsĂ€chlich gefahren werden, kann niemand beurteilen, ob diese Kosten wirtschaftlich sind, ob ÜberkapazitĂ€ten bestehen oder ob bestimmte Arbeiten gĂŒnstiger extern vergeben werden könnten.

Genau hier entsteht der zentrale Widerspruch: Der Bauhof hat weniger Personal als frĂŒher, aber die Kosten pro Stunde steigen deutlich. Die Maschinenkosten bleiben hoch, obwohl die Stadt nicht weiß, wie viele Stunden tatsĂ€chlich geleistet werden. Und weil es keine Leistungsverrechnung gibt, kann niemand beurteilen, ob die vorhandenen Ressourcen effizient eingesetzt werden oder ob die Stadt unbemerkt Geld verliert. Die Zahlen zeigen klar, dass Crivitz 2026 und 2027 mehr fĂŒr jede einzelne Arbeits‑ und Maschinenstunde bezahlt, ohne dass die Stadt ĂŒberhaupt weiß, wie viel Leistung sie dafĂŒr tatsĂ€chlich fĂŒr andere Bereiche bekommt. Ohne Leistungsverrechnung bleibt der Bauhof ein Bereich, dessen Kosten nicht wirklich steuerbar sind. Die BĂŒrger zahlen mehr – aber niemand kann ihnen transparent erklĂ€ren, warum. Das ist kein Vorwurf an die Mitarbeiter, die ihre Arbeit zuverlĂ€ssig erledigen, sondern ein strukturelles Problem: Die CWG – Crivitz dominierte Stadtspitze hat seit 12 Jahren schlichtweg es  versĂ€umt, die Grundlagen zu schaffen, die fĂŒr eine wirtschaftliche Steuerung notwendig wĂ€ren. Und genau deshalb steigen die Kosten, obwohl die Leistung nicht steigt – nicht, weil weniger gearbeitet wĂŒrde, sondern weil die Stadt ihre eigenen AblĂ€ufe nicht kennt und nicht steuern kann.

Die politische Verantwortung dafĂŒr liegt bei der Stadtspitze, die vorrangig von der CWG – Crivitz dominiert ist. Die BĂŒrgermeisterin hat die Höhergruppierungen Anfang 2026 veranlasst, ohne die Stadtvertretung einzubeziehen und ohne die seit Jahren fehlende interne Leistungsverrechnung endlich aufzubauen. Sie hat damit Entscheidungen getroffen, die den Haushalt langfristig belasten, und das in einer Situation, in der die Stadt finanziell kaum noch Spielraum hat. Das widerspricht dem Grundsatz der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit, der fĂŒr Kommunen gesetzlich vorgeschrieben ist. Wer in einer solchen Lage Personalkosten dauerhaft erhöht, ohne die Leistung zu messen, handelt nicht vorsichtig, sondern risikoreich – und gefĂ€hrdet die finanzielle StabilitĂ€t der gesamten Stadt.

Höhergruppierung der Hausmeister – Kosten rauf, BegrĂŒndung fehlt: Die Hausmeister‑Höhergruppierung im Faktencheck

Die Höhergruppierung der Hausmeister ist ein Beispiel dafĂŒr, wie in Crivitz Entscheidungen getroffen wurden, deren Folgen weit ĂŒber das hinausgehen, was man auf den ersten Blick erkennt. Innerhalb eines Jahres wurden 13 von 15 Hausmeisterstellen nicht nur leicht angepasst, sondern gleich um drei Entgeltgruppen – von EG 4 auf EG 7 – angehoben, obwohl sich die tatsĂ€chlichen Aufgaben in Schulen, Kitas und öffentlichen GebĂ€uden nicht grundlegend verĂ€ndert haben. Die EG 7 setzt tariflich voraus, dass BeschĂ€ftigte komplexe technische Anlagen betreuen, anspruchsvolle GebĂ€udetechnik steuern oder besondere Verantwortung tragen, etwa fĂŒr große, technisch hochgerĂŒstete Liegenschaften. Genau diese Voraussetzungen liegen in Crivitz jedoch nicht vor, denn die stĂ€dtischen GebĂ€ude verfĂŒgen ĂŒberwiegend ĂŒber ĂŒberschaubare, handwerklich gut beherrschbare Technik, die weder eine höhere technische Qualifikation noch eine gesteigerte Verantwortungsebene erfordert.

Hausmeister – Zusammenfassung Stellenplan 2026

Dennoch wurde das Gehaltsniveau deutlich angehoben – ein Schritt, der dauerhafte Mehrkosten im unteren bis mittleren fĂŒnfstelligen Bereich pro Jahr verursacht, ohne dass eine entsprechende Leistungssteigerung oder eine neue technische KomplexitĂ€t nachweisbar wĂ€re. Besonders schwer wiegt, dass diese Entscheidung mangels einer TĂ€tigkeitsbewertung, und interne Leistungsverrechnung und Analyse der tatsĂ€chlichen Arbeitsinhalte getroffen wurde. Die Stadt weiß daher nicht umfassend, ob die Aufgaben ĂŒberhaupt den tariflichen Anforderungen der EG 7 entsprechen oder ob die vorhandenen Ressourcen effizient eingesetzt werden. Statt von „mehr bezahlen und weniger leisten“ zu sprechen, muss man deshalb prĂ€ziser formulieren: Crivitz hat ein höheres Gehaltsniveau eingefĂŒhrt, ohne dass die objektiven Voraussetzungen fĂŒr diese Entgeltgruppe erfĂŒllt sind – und bindet sich damit an Kosten, die in einer angespannten Haushaltslage besonders schwer wiegen. FĂŒr die BĂŒrger bedeutet das nicht pauschal, dass weniger gearbeitet wird, sondern dass die Stadt ein VergĂŒtungsniveau gewĂ€hlt hat, das eher zu technisch hochkomplexen GebĂ€uden passt als zu den realen Anforderungen vor Ort. Genau darin liegt das Problem: Die Entscheidung ist tariflich schwer begrĂŒndbar und finanziell dauerhaft belastend, weil sie ohne Daten, ohne Bewertung und ohne transparente Grundlage getroffen wurde.

WÀhrend der Bauhof und Hausmeister also teurer werden, zeigt der Stellenplan an anderer Stelle ein völlig anderes Bild:

Das BĂŒrgerhaus – der ĂŒberraschende Gewinner

Das BĂŒrgerhaus wird ausgebaut. Ausgerechnet ein freiwilliger Bereich, der nicht zu den gesetzlich vorgeschriebenen Kernaufgaben der Stadt gehört, erhĂ€lt zusĂ€tzliche Stunden, neue Strukturen und teilweise sogar Aufwertungen. In einer Zeit, in der Crivitz finanziell kaum noch handlungsfĂ€hig ist, wirkt dieser Ausbau wie ein politisches Signal, das im direkten Widerspruch zur Haushaltslage steht.

BĂŒrgerhaus, Bibliothek & Museum – Zusammenfassung Stellenplan 2026

Das BĂŒrgerhaus ist zweifellos wichtig fĂŒr das kulturelle Leben, fĂŒr Begegnung, Veranstaltungen, Vereine. Aber es ist kein Pflichtbereich. WĂ€hrend im Bauhof Maschinenstunden fehlen, wĂ€hrend in den Kitas ĂŒber elf Prozent der Stellen verschwinden und wĂ€hrend die Verwaltung an vielen Stellen auf Verschleiß lĂ€uft, wird hier ein Bereich gestĂ€rkt, der weder Einnahmen generiert noch gesetzlich vorgeschrieben ist.

Die zusĂ€tzlichen Stunden und Höhergruppierungen im BĂŒrgerhaus bedeuten langfristig steigende Personalkosten – Kosten, die Crivitz ab 2027 im Haushaltssicherungskonzept kaum noch tragen kann. Besonders irritierend ist, dass dieser Ausbau nicht mit einer klaren Strategie hinterlegt ist. Es gibt keine nachvollziehbare BegrĂŒndung, warum gerade jetzt mehr Personal notwendig sein soll, wĂ€hrend gleichzeitig Pflichtaufgaben kaum noch erfĂŒllt werden können. FĂŒr viele BĂŒrger entsteht der Eindruck: Hier werden politische Vorlieben bedient, nicht die dringendsten Notwendigkeiten.

Kitas und Hort – der hĂ€rteste Einschnitt

Am hĂ€rtesten trifft der Stellenplan 2026 jedoch die JĂŒngsten: die Kitas und den Hort. Wer verstehen will, wie tief dieser Stellenplan in den Alltag der Menschen eingreift, muss nur hier hinschauen. In diesem sensiblen Bereich werden ĂŒber elf Prozent der bisherigen Stellen gestrichen. Das ist kein kosmetischer Eingriff, sondern ein massiver Einschnitt in die BetreuungskapazitĂ€t, in die StabilitĂ€t der Einrichtungen und in die QualitĂ€t der frĂŒhkindlichen Bildung. Und das in einer Zeit, in der die Anforderungen an Kitas und Hort eher steigen als sinken: grĂ¶ĂŸere Gruppen, mehr Förderbedarfe, komplexere FamilienrealitĂ€ten, strengere gesetzliche Vorgaben.

Kita Crivitz & Wessin – Zusammenfassung Stellenplan 2026

Jede fehlende Stelle bedeutet weniger Zeit fĂŒr Förderung, weniger Zeit fĂŒr GesprĂ€che mit Eltern, weniger Zeit fĂŒr individuelle Zuwendung. Die verbleibenden FachkrĂ€fte werden stĂ€rker belastet, AusfĂ€lle lassen sich schwerer kompensieren, Vertretungen werden schwieriger. Eltern werden das spĂŒren: lĂ€ngere Wartelisten, weniger FlexibilitĂ€t bei den Betreuungszeiten, mehr EngpĂ€sse, mehr Unruhe im Alltag. Und wenn die Kinderbetreuung nicht mehr zuverlĂ€ssig funktioniert, trifft das am Ende auch die Arbeitgeber in der Region – denn ohne verlĂ€ssliche Betreuung können viele Eltern nicht oder nur eingeschrĂ€nkt arbeiten.

KindertagesstĂ€ttenbedarfsplanung-2026 bis2029 Mit Prognose bis 2038– LK LUP-Oktober 2025-Fachdienst Jugend

Besonders bitter: Diese Einschnitte sind nicht unbedingt durch sinkende Kinderzahlen begrĂŒndet, sondern durch die Haushaltslage. Bei gut vorbereiteten Leistungsverhandlungen zur Kita‑Finanzierung im Landkreis LUP – also dann, wenn alle Kosten und internen Leistungsverrechnungen transparent vorliegen – hat der Landkreis LUP bislang stets großzĂŒgig reagiert und Fördermittel zugesagt. Die Kitas und der Hort werden damit zum Opfer einer Finanzpolitik, die an anderer Stelle Strukturen ausbaut. Gleichzeitig steigen auch in diesem Bereich die Personalkosten pro Stelle: durch die 85prozentige Jahressonderzahlung 2026, durch die ab Mai 2027 erwartete Tarifsteigerung von rund drei Prozent und durch die allgemeinen Sozialabgaben. Die Stadt spart also nicht wirklich – sie verliert Personal und zahlt gleichzeitig mehr. Das ist sozialpolitisch fragwĂŒrdig und finanziell kurzsichtig.

Ein Stellenplan, der StabilitÀt verspricht, aber InstabilitÀt erzeugt

Wenn man all diese Bereiche zusammennimmt – Bauhof, BĂŒrgerhaus, Kitas, Verwaltung – entsteht ein Bild, das sich wie ein roter Faden durch den gesamten Stellenplan zieht: Dort, wo die Stadt eigentlich stabilisieren mĂŒsste, wird geschwĂ€cht. Dort, wo sie sich ZurĂŒckhaltung auferlegen mĂŒsste, wird ausgebaut. Pflichtaufgaben werden ausgedĂŒnnt, freiwillige Bereiche gestĂ€rkt. Die Zahl der Mitarbeiter sinkt, die Personalkosten steigen. Die liquiden Mittel rutschen ins Minus, die RĂŒcklagen sind aufgebraucht, der Haushaltsausgleich gelingt ab 2027 nicht mehr. Und trotzdem werden Entscheidungen getroffen, die die Kostenstruktur dauerhaft nach oben treiben. Der Stellenplan 2026 ist damit kein Instrument der Konsolidierung, sondern ein Dokument, das die kommenden Kostensteigerungen bereits heute festschreibt. Er schafft keine Entlastung, sondern verlagert Belastungen in die Zukunft – in eine Zukunft, in der Crivitz finanziell noch weniger Spielraum haben wird als heute. Er vermittelt nach außen den Eindruck von Ordnung und Steuerung, wĂ€hrend im Inneren neue Risiken aufgebaut werden. Er ist eine Sanierung auf dem Papier, aber eine teure Makulatur in der RealitĂ€t.

FĂŒr die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger bedeutet das: Die Stadt wird in den nĂ€chsten Jahren schwierige Entscheidungen treffen mĂŒssen – nicht, weil „plötzlich“ alles teurer geworden ist, sondern weil seit 12 Jahren hinweg Strukturen aufgebaut und Entscheidungen getroffen wurden, ohne die langfristigen Folgen ehrlich zu benennen. Die fehlende interne Leistungsverrechnung, die jahrzehntelang unterlassene Auswertung von Maschinen- und Mitarbeiterstunden, die großzĂŒgigen Höhergruppierungen ohne belastbare Datengrundlage, der Ausbau freiwilliger Bereiche bei gleichzeitigen Einschnitten in Kitas und Hort – all das sind keine Naturereignisse, sondern politische Entscheidungen.

Fazit:

Genau deshalb ist es wichtig, dass die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger verstehen, was hinter den Tabellen steht. Es geht nicht nur um Zahlen, es geht um den Winterdienst vor der HaustĂŒr, um die SpielplĂ€tze der Kinder, um die VerlĂ€sslichkeit der Kita, um die Pflege der Friedhöfe, um Kulturangebote im BĂŒrgerhaus – und um die Frage, ob Crivitz in einigen Jahren noch selbst ĂŒber diese Dinge entscheiden kann oder ob andere darĂŒber bestimmen. Der jetzige Kurs fĂŒhrt in ein Haushaltssicherungskonzept, in dem vieles nicht mehr freiwillig, sondern vorgeschrieben sein wird.