09.Aug.-2026/P-headli.-cont.-red./499[163(38-22)]/CLA-335/24-2026

Crivitz’ Energiepolitik im Schatten – und der Moment, in dem die Bürger aufwachten!
Es begann unscheinbar, fast beiläufig, an einem Abend im September 2024. Die Stadtvertretung tagte, die Tagesordnung war lang, und unter dem scheinbar harmlosen Punkt „Information zum Konzept für Wärme und Energie für die Stadt“ erhob sich Alexander Gamm – Ehemann der Bürgermeisterin, Bauausschussmitglied, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Wärme/Energie und zentraler Ansprechpartner in den Gesprächen mit der WEMAG – aus der Zuschauertribüne. Schon dieser Auftritt war ungewöhnlich: Er erhielt das Rederecht als „Sachverständiger“, um für die Stadtvertretung zu sprechen, obwohl er kein gewähltes Mitglied war. In der Hand hielt er zwei DIN‑A4‑Seiten, die er in einer sechsminütigen Rede verlas. Es war der Moment, in dem die Stadt Crivitz – ohne es zu ahnen – in eine neue energiepolitische Ära eintrat. Alexander Gamm sprach von einer „Absichtserklärung“, einem sogenannten *Letter of Intent*, den die Stadt Crivitz mit der WEMAG AG „am heutigen Tag“ im nichtöffentlichen Teil der Sitzung beschließen werde. Alles wirkte vorbereitet, abgestimmt, im Hintergrund längst verhandelt. Doch was genau in diesem Dokument stand – welche Pflichten, welche Rechte, welche Bindungen – blieb ungesagt.

Und dann geschah etwas, das selbst für Crivitz bemerkenswert war: Im offiziellen Sitzungsprotokoll zu diesem Tagesordnungspunkt findet sich nicht eine einzige Zeile. Kein Hinweis auf die Rede, keine Zusammenfassung, kein Wort – als hätte der Auftritt nie stattgefunden. Reiner Zufall, selbstverständlich. Die Protokollführung in Crivitz hat schließlich Tradition: Alles, was ein bisschen heikel, kritisch oder unbequem sein könnte, findet sich später erstaunlicherweise nicht im Schriftlichen wieder. Das kennen die Bürger vom Hundesportverein, von Haushaltsdebatten und anderen „zufällig vergessenen“ Themen. Wer nicht dabei war, bleibt ahnungslos – und im Protokoll steht dazu wie üblich: nichts. Es gab keine Unterlagen, keine Erläuterungen, keine kritische Nachfrage – und vor allem keine Debatte. Die Stadtvertretung nahm die Information lediglich zur Kenntnis, die Öffentlichkeit blieb wie so oft außen vor.
Damit war der erste Baustein einer neuen Energieordnung gelegt, die später als „Wärmekonzept“ und als Windpark „Crivitz West“ sichtbar werden sollte – und deren Tragweite die Bürger erst 14 Monate später erkennen würden, als deutlich wurde, was zu diesem Zeitpunkt bereits verhandelt worden war.
Die Chronologie einer Wärmewende im Halbschatten
Auf den Letter of Intent im September 2024 folgte im April 2025 der nächste entscheidende Schritt: Die WEMAG stellte beim Amt Crivitz einen Antrag, den fortgeltenden Flächennutzungsplan zu ändern und ein neues Sondergebiet für Windenergie zu schaffen – „Crivitz West“. Damit sollte im Bereich Krudopp ein stadteigener Windpark entstehen, mit drei Windkraftanlagen, Millioneninvestitionen und langfristigen vertraglichen Bindungen. Die Beratungen hierzu – offiziell „Antrag auf Einleitung eines Verfahrens zur Änderung des Teilflächennutzungsplans der Stadt Crivitz“ – fanden erst am 18.09.2025 und 20.11.2025 im Bauausschuss statt, selbstverständlich unter TOP- N:14 und selbstverständlich im nichtöffentlichen Teil. Ein öffentlicher Beschluss? Fehlanzeige. Eine Empfehlung des Bauausschusses? Nie veröffentlicht. Ein Protokoll, das den Bürgern erklärt, was beraten wurde? Natürlich nicht.
Das ist in Crivitz kein Ausrutscher, sondern Tradition: Die Bürger sollen heikle Themen erst dann erfahren, wenn sie bereits beschlossen sind. Diese frühere Amtsführung hat den Bauausschuss nachhaltig geprägt: Sie schuf eine politische Kultur, in der Transparenz als Störung, Öffentlichkeit als lästig und Protokollführung als formale Pflicht statt demokratische Verantwortung verstanden wurde. Genau diese politische Kultur bildet den Hintergrund für die heutigen Probleme: – die systematische Verlagerung von Beratungen in den nichtöffentlichen Teil, – die ausgedünnten Tagesordnungen, – die fehlende Dokumentation, – und die bis heute unklare Protokollpraxis.

Diese Handlungsweise entsprach dem damaligen Vorsitzenden des Bauausschusses, Alexander Gamm, und wurde vom neuen Vorsitzenden, Herrn Renker (CWG – Crivitz), vollständig übernommen. Er perfektionierte das Verfahren sogar: Alles wird nichtöffentlich beraten, und die Beschlüsse werden nur noch als Nummern oder Synonyme verkündet – „BV CRI SV 1954/25“, „BV CRI SV 1956/25“ –, als wären es Lagerbestände statt politische Entscheidungen.
Bereits am 6. Mai 2025 waren die Unterlagen eingereicht worden, doch sie wurden den Stadtvertretern erst wenige Tage vor der entscheidenden Sitzung am 08.12.2025 zugestellt – zumindest der Opposition. Eine seriöse Prüfung eines Projekts dieser Größenordnung – mit mindestens 21 bis 27 Millionen Euro Investitionsvolumen – war unter diesen Bedingungen faktisch unmöglich. Am 08.12.2025, kurz vor Weihnachten, kam es zur entscheidenden Weichenstellung: Die Stadtvertretung beschloss im Grundsatz die Änderung des Flächennutzungsplans und öffnete damit die Tür für ein Sondergebiet für Windenergie im Bereich Crivitz West / Krudopp. Die Tür war geöffnet, das Projekt politisch gesetzt. Die rechtliche Grundlage für den Windpark „Crivitz West“ war geschaffen – ohne dass die Bürger zuvor umfassend informiert oder beteiligt worden wären.

Erst vier Monate später, Ende April 2026, erklärte die WEMAG Krudopp im Rahmen einer Informationsveranstaltung zum „Energiezentrum der Crivitzer Neustadt“ – und im Wärmekonzept der Stadt wurde dies festgeschrieben. Die Wärmewende und der Windpark wurden politisch miteinander verknüpft: Wer Wärme für die Neustadt wolle, müsse den Windpark in Crivitz West / Krudopp akzeptieren – denn dieser liefere den Strom für die Hochleistungswärmepumpen des neuen Crivitzer Heizhauses. Die Stadt Crivitz wurde Partnerin – aber nicht treibende Kraft. Die eigentlichen Architekten waren WEMAG, mea Energieagentur MV und die WEMAG Energiedienste GmbH. Die Bürger blieben Zuschauer.
Der Abend, an dem die politische Kultur sichtbar wurde
Der 08. Dezember 2025 war ein Abend, der vielen Bürgern in Erinnerung bleiben wird – nicht wegen der Technik, sondern wegen der Art, wie in Crivitz Politik gemacht wurde. Die Opposition beantragte, den Tagesordnungspunkt zur Einleitung des Verfahrens zur Änderung des Flächennutzungsplans abzusetzen. Sie trug sachlich vor, dass die Unterlagen viel zu spät eingetroffen seien, dass die versprochene Kosten‑Nutzen‑Rechnung der WEMAG fehle, dass keine Machbarkeitsstudie vorliege und dass der Bauausschuss – wie so oft – nichtöffentlich beraten habe: ohne Bürgerbeteiligung, ohne Naturschutzprüfung, ohne Einbindung anderer Ausschüsse.
Sie warnte zudem, dass das Gebiet „Crivitz West“ im Regionalplan gar nicht als Windenergiegebiet vorgesehen sei und ein Zielabweichungsverfahren nötig werde. Sie wies darauf hin, dass die Stadt mit diesem Grundsatzbeschluss ein Tor öffne, „das sich später nicht mehr schließen lasse“. Sie fragte, warum dieser Beschluss unbedingt noch vor Weihnachten gefasst werden müsse – ob es hierbei um Posten gehe, um Macht, um Absprachen im Hintergrund. Doch keine dieser Fragen wurde von der CWG ‑ Crivitz beantwortet. Stattdessen folgte ein Manöver: Der CWG‑Fraktionsvorsitzende rief eine „Auszeit“ aus – ein Begriff, der eher an Volleyball erinnert als an eine Stadtvertretersitzung und in der Geschäftsordnung nicht vorgesehen ist. In dieser Pause formierte sich die CWG‑Crivitz Mehrheit, allen voran Herr Markus Eichwitz. Als die Sitzung fortgesetzt wurde, wurde der Antrag der Opposition erwartungsgemäß abgelehnt.

In dieser Atmosphäre geschah der Moment, der die politische Kultur dieses Abends auf den Punkt brachte: Alexander Gamm – Ehemann der Bürgermeisterin, Bauausschussmitglied und neuer CWG‑Fraktionär – zeigte der Opposition im Raum demonstrativ den erhobenen Stinkefinger. Ein symbolischer Akt, der mehr sagte als jede Rede. Er zeigte, wie viel Macht ein einzelner Akteur haben kann, wenn er gleichzeitig Ausschussmitglied, Fraktionsmann, bis zu diesem Abend Arbeitsgruppenleiter und Ehemann der Bürgermeisterin ist – und wie gering der Respekt vor abweichenden Meinungen sein kann. Es war der Moment, in dem die politische Kultur Crivitz’ nicht nur sichtbar, sondern geradezu greifbar wurde.
„Wenn wir es nicht machen, machen es andere“ – ein Satz als Programm für den Windpark „Crivitz West“
Die Bürgermeisterin begründete den Beschluss für den Windpark Crivitz West mit einem Satz, der für viele Bürger wie eine politische Kapitulation klang: „Wenn wir es nicht machen, machen es andere.“ Es war kein Zukunftsentwurf, keine Vision, kein Konzept für eine eigenständige, transparente Energiepolitik. Es war ein politisches Durchwinken im Eiltempo: lieber selbst mitmachen, als anderen das Feld überlassen – unabhängig davon, ob die Bürger informiert, beteiligt oder überzeugt sind. Der Beschluss über den Windpark bei Krudopp wurde im Schnellverfahren gefasst: ohne vollständige Unterlagen, ohne Bürgerbeteiligung, ohne offene Diskussion. Die CWG‑Crivitz‑Mehrheit setzte sich massiv durch, die Opposition blieb in der Minderheit.

Die dogmatische Rolle der Crivitzer Wählergemeinschaft (CWG‑Crivitz)
Die CWG ‑ Crivitz spielte in dieser Entwicklung eine zentrale, geradezu dogmatische Rolle. Sie begleitete den Letter of Intent 2024, trieb den Antrag zur Flächennutzungsplanänderung 2025 voran und setzte den Windparkbeschluss durch. Kritische Fragen wurden abgewehrt, Bedenken der Opposition übergangen, Transparenz gegenüber den Bürgern als Störfaktor behandelt. Die Haushaltslage der Stadt war und ist dramatisch angespannt; Einnahmen aus Windenergie und Beteiligungsmodellen wirkten verlockend und sind zweifellos ein Segen für den Haushalt. Doch statt eine offene Debatte über Chancen und Risiken zu führen, wurde das Projekt „Crivitz West“ zur Chefsache einer kleinen Gruppe, die sich im Schatten der Ausschüsse und Arbeitsgruppen bewegte. Die Bürger erfuhren erst im Nachhinein, was längst beschlossen war – ein politischer Stil, der in Crivitz inzwischen fast als Routine gilt.
Die Bürgerinitiative „Aktiv für Crivitz“ – wer sie ist und warum sie sich gegründet hat!
Gegründet wurde die Initiative, weil viele Bürger das Gefühl hatten, dass die energiepolitischen Weichen der Stadt längst gestellt waren – nur nicht öffentlich.
Bereits im September 2024 präsentierte Alexander Gamm in seiner sechsminütigen Rede den Letter of Intent, in dem die Stadt und die WEMAG die Grundzüge der künftigen Energiepolitik festlegten: Wärmekonzept, Photovoltaikanlagen – und erstmals auch die Nutzung stadteigener Windkraftprojekte im Bereich Crivitz. Diese Rede war der Beginn der energiepolitischen Entscheidungen – lange vor dem Beschluss im Dezember 2025 und noch länger vor der Informationsveranstaltung im April 2026. Doch die Öffentlichkeit erfuhr davon fast nichts. Im Protokoll der Sitzung findet sich „nicht eine einzige Zeile“ über das, was Gamm sagte – ein Stil, den die Bürger inzwischen nur zu gut kennen: Wenn es wichtig wird, wird es nicht protokolliert.
Im Dezember 2025 folgte der nächste Schritt: Die Bürgermeisterin focht den Antrag für den Windpark Crivitz West in Krudopp durch, unterstützt von der CWG‑Mehrheit. Ihr Ehemann führte als Leiter der Arbeitsgruppe Wärme/Energie alle Gespräche und Abstimmungen mit der WEMAG, bereitete die Planungen vor und begleitete den Antrag zur Änderung des Flächennutzungsplans – aber ohne dass die Bürger wussten, was hinter den Kulissen bereits vereinbart war. Später, im Frühjahr 2026, folgte ein weiterer Schritt im Hintergrund: ein 20‑jähriger Konzessionsvertrag mit der WEMAG, der das Gesamtprojekt – Wärmekonzept, Netz, Windpark – langfristig festschreibt. Die Bürgerinitiative kritisiert genau diese Reihenfolge: erst Verträge, dann Informationen.
Genau diese intransparente Abfolge war der Auslöser für die Initiative. Sie formuliert es selbst: „Wir fordern Mitspracherecht und Transparenz!“ und „Bevor vollendete Tatsachen geschaffen werden.“

Vertreten wird „Aktiv für Crivitz“ von klar benennbaren Personen: Heike Böttcher und Dr. Andreas Reinecke zeichnen namentlich für die Bürgerinitiative verantwortlich, sie stehen mit ihrem Namen unter dem Aufruf: „Bürgerinitiative ‚Aktiv für Crivitz„.
Damit ist deutlich: Es handelt sich nicht um eine anonyme Stimmung, sondern um eine organisierte, persönlich verantwortete Bewegung aus der Mitte der Bürgerschaft. Die Initiative entstand, weil die Menschen in Krudopp, Sukow und Zietlitz sich nicht allein gegen ein Projekt dieser Größenordnung wehren können. Ihr Aufruf bringt es auf den Punkt: „Helft den Einwohnern von Krudopp, die sich nicht allein gegen diese geplante Landschaftszerstörung wehren können.“ Und sie entstand, weil die Bürger nicht länger hinnehmen wollten, dass Entscheidungen über Stadtbild, Landschaft und Millioneninvestitionen ohne sie getroffen werden – während in den Ausschüssen, wenn sie denn einmal einbezogen wurden, ausschließlich nichtöffentlich diskutiert wurde und die breite Öffentlichkeit außen vor blieb. Ihr Grundsatz lautet: „Grüne Energie ist gut – aber nicht um jeden Preis und nicht am Bürger vorbei.“
Was die Bürgerinitiative will – und was sie bereits erreicht hat

Die Initiative verfolgt zwei große Ziele: Transparenz und Mitbestimmung.
Sie fordert die Offenlegung aller energiepolitischen Vereinbarungen, insbesondere des Letter of Intent, und eine klare Darstellung von „Sinn, Nutzen, Kosten, Folgen und Verbindlichkeiten“ des Windparks Crivitz West. Sie will wissen, warum der Eindruck erweckt wurde, „als sei der Windpark für die Wärmeversorgung der Neustadt zwingend notwendig“, obwohl die geplante Stromtrasse nach Wessin führt und der Strom dort überwiegend ins Hochspannungsnetz abgeführt wird. Ihr zweites Ziel ist die direkte Beteiligung der Bürger: „Durch einen Bürgerentscheid über die Errichtung des Windparks ´Crivitz West` wollen wir der Stadtvertretung von Crivitz mitteilen: ‚So nicht! Ihr seid unsere gewählten Vertreter, von denen wir transparente Entscheidungen erwarten!‘“ Und weiter: „Wir werden eine transparente energie- und finanzpolitische Neubewertung erzwingen und einen Bürgerentscheid anstreben.“
Bemerkenswert ist, was die Initiative bereits erreicht hat: 518 Unterschriften – bei 4.566 Einwohnern (31.12.2025) in Crivitz sind das über 11,34 % der Bevölkerung. Das ist nicht nur ein Stimmungsbild, sondern eine politische Größe, die für einen Einwohnerantrag und später einen Bürgerentscheid von erheblicher Bedeutung ist. Die Initiative formuliert es selbstbewusst: „Setzt ein Zeichen – Euer Zeichen!“ Sie zeigt, dass die Bürger nicht nur unzufrieden sind, sondern bereit, sich einzumischen. Sie zeigt, dass Mitbestimmung kein Luxus ist, sondern ein demokratisches Recht. Und sie zeigt, dass die Menschen in Crivitz nicht bereit sind, ihr Stadtbild, ihre Landschaft und ihre kommunale Kultur kampflos aufzugeben – schon gar nicht für ein Projekt, das sie erst erfuhren, „bevor vollendete Tatsachen geschaffen werden“.

Der Einwohnerantrag!———– das erste demokratische Werkzeug der Bürger :In Mecklenburg‑Vorpommern gibt es ein demokratisches Instrument, das erstaunlich wenig bekannt ist – obwohl es gerade in Crivitz plötzlich eine enorme Bedeutung bekommt: den Einwohnerantrag nach § 20 Kommunalverfassung MV. Er zwingt eine Stadtvertretung, ein Thema nicht länger im Schatten zu behandeln, sondern öffentlich auf die Tagesordnung zu setzen. Für Crivitz mit rund 4.566 Einwohnern bedeutet das: Schon 1 % der Bevölkerung – also etwa 46 Menschen – können verlangen, dass ein Thema öffentlich beraten wird. Ein schriftlicher Antrag, eine klare Forderung, eine kurze Begründung: Mehr braucht es nicht. Und nun kommt der bemerkenswerte Teil: Die Bürgerinitiative „Aktiv für Crivitz“ hat bereits 518 Unterschriften gesammelt – also über 11,34 % der gesamten Stadtbevölkerung. Damit liegt sie weit über der Schwelle, die für einen Einwohnerantrag nötig wäre. Man könnte sagen: Die Voraussetzungen sind nicht nur erfüllt – sie sind übererfüllt. Ein Einwohnerantrag ist kein Vetorecht, aber er ist ein politischer Scheinwerfer: Er zwingt die Stadtvertretung, ein Thema öffentlich zu behandeln, statt es in nichtöffentlichen Ausschüssen zu parken.

Der Bürgerentscheid!—––wenn die Bürger selbst abstimmen: Noch stärker ist das zweite Instrument: der Bürgerentscheid nach § 21 Kommunalverfassung MV. Er ist die direkteste Form kommunaler Demokratie – die Bürger entscheiden selbst, nicht die Stadtvertretung. Die Voraussetzungen sind klar: Mindestens 10 % der Einwohner müssen ein Bürgerbegehren unterstützen – in Crivitz also rund 456 Menschen. Die Frage muss eindeutig sein, ein klares Ja oder Nein ermöglichen und darf nicht in gesetzlich ausgeschlossene Bereiche fallen (Haushalt, Personal, Gebühren). Und jetzt wird es interessant: Die Bürgerinitiative hat bereits 518 Unterstützer – also mehr als die 10 %, die für ein Bürgerbegehren nötig wären. Mit anderen Worten: Crivitz steht rechnerisch bereits an der Schwelle zu einem möglichen Bürgerentscheid.Kommt ein Bürgerbegehren zustande, hat die Stadtvertretung zwei Möglichkeiten: Sie kann die Forderung übernehmen – oder sie muss die Bürger abstimmen lassen. Das Ergebnis eines Bürgerentscheids gilt wie ein Beschluss der Stadtvertretung. Es ist bindend. Punkt.
Warum diese Information zu den Einwohnerantrag und Bürgerentscheid so wichtig ist:—–Diese Hinweise sollen nicht belehren, sondern zeigen: Die Bürgerinitiative „Aktiv für Crivitz“ hat bereits politisches Gewicht, das weit über eine Petition hinausgeht. Sie hat die Schwelle für einen Einwohnerantrag locker überschritten. Sie hat die Schwelle für ein Bürgerbegehren bereits erreicht. Und sie hat gezeigt, dass Bürgerbeteiligung in Crivitz nicht nur möglich ist – sondern bereits begonnen hat.
Fazit: Ein Anfang, der zählt!
Crivitz erlebt gerade den Beginn einer neuen Bürgerkultur. Mit der Initiative „Aktiv für Crivitz“ hat sich erstmals eine organisierte Stimme erhoben, die nicht nur fragt, sondern dranbleibt. Sie steht am Anfang – aber ein Anfang mit Gewicht: über 11 % der Stadtbevölkerung haben bereits unterschrieben. Die kommenden Monate werden zeigen, wie viel Transparenz, Offenheit und Beteiligung diese Stadt zulässt. Sicher ist nur eines: Die Bürgerinitiative darf jetzt nicht nachlassen. Sie hat die Chance, Vertrauen zurückzugewinnen, Akzeptanz zu schaffen und die Debatte dorthin zu holen, wo sie hingehört – in die Öffentlichkeit.
Die Kommunalpolitik in Crivitz steht vor wichtigen Entscheidungen, und in rund 30 Monaten wird neu gewählt. Wie diese Stadt bis dahin Politik macht, wird darüber entscheiden, ob Bürgerbeteiligung Ausnahme bleibt oder zur neuen Normalität wird. Die Initiative „Aktiv für Crivitz“ hat den ersten Schritt gemacht. Sie verdient Respekt, Rückenwind und die Unterstützung aller, denen an einer offenen, ehrlichen und modernen Kommunalpolitik gelegen ist. Sie zeigt, dass Demokratie nicht im Sitzungssaal beginnt, sondern dort, wo Bürger den Mut haben, ihre Stimme zu erheben.Sie verdient Rückenwind. Und Crivitz verdient eine Politik, die zuhört.