Stadteigene Windräder: Der Versuch, ein Millionenloch mit Luftbewegung zu stopfen!

19.April-2026 /P-headli.-cont.-red./483[163(38-22)]/CLA-319/08-2026

Es begann alles an einem Dezemberabend 2025, an dem Crivitz eigentlich zur Ruhe kommen wollte. Während draußen die Adventslichter brannten, spielte sich im Sitzungssaal der Stadtvertretung ein politisches Schauspiel ab, das heute – im April 2026 – in einem völlig neuen Licht erscheint. Was damals wie ein einzelner Beschluss wirkte, zeigt sich heute als Teil eines viel größeren Plans: Windenergie, Wärmewende und eine Finanzlage, die tiefer reicht, als viele ahnten.

Schon beim Betreten des Saals war spürbar, dass dieser Abend anders werden würde. Die CWG erschien geschlossen und demonstrativ stark, darunter Christina Behrendt vom Vorstand der CWG‑Crivitz, geborene Brusch, in der ersten Reihe. Die Opposition dagegen war geschwächt – zwei krank, einer fehlend. Noch bevor die Sitzung begann, war klar, wohin die Mehrheitsverhältnisse führen würden. Als die Opposition beantragte, den Tagesordnungspunkt zur Änderung des Teilflächennutzungsplans „Crivitz West“ abzusetzen, wurde deutlich, wie wenig Raum für Diskussion vorgesehen war. Die Unterlagen waren erst sieben Tage vorher zugestellt worden, obwohl sie seit dem 6. Mai 2025 vorlagen. Keine Kostennutzungsrechnung, keine Machbarkeitsstudie, keine Risikoanalyse – und ein Bauausschuss, der das Thema nichtöffentlich behandelt hatte und alles durchwinkte aufgrund seiner CWG‑Crivitz‑Mehrheit.

Statt Antworten kam ein Manöver vom Fraktionsvorsitzenden der CWG-Crivitz Herr Andreas Rüß , das viele Zuschauer fassungslos machte: eine „Auszeit“ – ein Instrument, das in der Geschäftsordnung nicht existiert, aber politisch längst durch die CWG – Crivitz etabliert war. Auch Herr Markus Eichwitz, Kernfigur der CWG – Crivitz meldete sich zu Wort bei diesem Thema- sein Beitrag klang nach Beteiligung aber ohne inhaltlichen Mehrwert. Wenige Minuten nach der Pause wurde der Antrag der Opposition ohne weitere ausschweifende Debatte abgelehnt. Dann geschah der Moment, der sich in das Gedächtnis vieler eingebrannt hat:Alexander Gamm – sachkundiger Einwohner der CWG‑Crivitz im Bauausschuss, Leiter der Arbeitsgruppe Wärme und Energie, Ehemann der Bürgermeisterin – zeigte der Opposition sitzend einen deutlich erkennbaren Stinkefinger und freute sich dabei.

Ein kurzer Augenblick, der mehr über die politische Kultur dieses Abends sagte als jede Rede. Alexander Gamm (in Facebook auch als „Paul Hermann“ unterwegs) war nicht irgendeine Randfigur. Er führte die Gespräche mit der WEMAG, bereitete Unterlagen vor, koordinierte Termine und leitete eine Arbeitsgruppe, in der „Crivitz West“ laut Opposition nie behandelt worden war. Und ausgerechnet an diesem Abend löste die Bürgermeisterin diese Arbeitsgruppe auf – ohne Beschluss, ohne Begründung.

Als der entscheidende Tagesordnungspunkt aufgerufen wurde, warnte die Opposition, dass das Gebiet „Crivitz West“ im Regionalplan nicht vorgesehen sei und ein Zielabweichungsverfahren nötig werde. Sie fragte, warum der Beschluss noch vor Weihnachten gefasst werden müsse. Doch keine dieser Fragen wurde beantwortet. Stattdessen wiederholte die Bürgermeisterin Frau Britta Brusch‑Gamm, man könne sich erneuerbaren Projekten nicht verweigern: „Wenn wir es nicht machen, machen es andere.“

Am Ende stimmten acht CWG – Crivitz Vertreter für das Projekt, sieben der Opposition dagegen. Der Beschluss war gefasst – ohne Bürgerbeteiligung, ohne vollständige Unterlagen, ohne Transparenz. Viele Zuschauer verließen den Saal mit dem Gefühl, Zeugen eines Vorgangs geworden zu sein, der das Vertrauen in die kommunale Demokratie erschütterte. Das Tor für ein neues Sondergebiet für Windenergieanlagen wurde geöffnet.Doch während die Bürger im Dezember 2025 noch glaubten, Zeugen eines ersten Schrittes zu sein, zeigt sich heute, dass dieser Abend in Wahrheit nur ein Baustein eines längst beschlossenen Gesamtplans war. Denn die Wärmewende im Amt Crivitz ist nicht etwa in Vorbereitung – sie ist bereits beschlossen.

Das integrierte Klimaschutzkonzept 2026 wurde am 15. April im Amtsausschuss verabschiedet. Es definiert die Energie‑ und Treibhausgasbilanz, die Handlungsfelder, die Maßnahmen und die Zielszenarien für die gesamte Region – in dem auch die Stadt Crivitz bereits berüccksichtigt ist. Dieses Konzept ist längst politisch beschlossen, bevor auch nur ein einziger Bürger erfahren hat, was darin steht. Noch brisanter: Die Zusammenarbeit mit der WEMAG und ihrer Tochter mea wurde bereits im November 2024 vertraglich eingeleitet. In der Absichtserklärung steht schwarz auf weiß, dass die Stadt Crivitz und die mea gemeinsam ein Wärmeversorgungsprojekt entwickeln wollen – und dass Windenergieanlagen auf städtischen Flächen ausdrücklich Teil dieses Plans sind. Die Betreibergesellschaft ist detailliert beschrieben, inklusive kommunaler Beteiligung, Nutzungsverträgen, Einnahmemodellen und der Einbindung in die Wärmeversorgung.

Mit anderen Worten: Die Wärmewende in der Stadt Crivitz ist nicht nur beschlossen – sie ist vertraglich vorbereitet, finanziell durchgeplant und politisch längst auf den Weg gebracht. Die Bürger erfahren davon erst jetzt, Monate später, als Zuschauer eines Prozesses, der ohne sie begonnen wurde.

Und genau das macht die Informationsveranstaltung am 20.04.2026 in der Stadt Crivitz zu einer Farce. Man lädt die Bürger ein, als könnten sie noch mitreden, obwohl alle wesentlichen Entscheidungen längst gefallen sind. Das Klimaschutzkonzept ist beschlossen. Die Flächennutzungsplanänderung für Crivitz West wurde im Dezember 2025 durchgedrückt. Die Zielabweichung wird vorbereitet. Die Betreibergesellschaft ist geplant. Die WEMAG ist eingebunden. Die Wärmeversorgung der Neustadt ist Teil eines bereits beschlossenen Konzeptes.

Was jetzt als „Bürgerdialog“ verkauft wird, ist in Wirklichkeit die nachträgliche Erklärung eines fertigen Plans. Ein Plan, der nicht aus einem offenen Prozess entstanden ist, sondern aus politischen Absprachen, wirtschaftlichen Interessen – und einer Haushaltslage, die so dramatisch ist, dass Windenergie plötzlich nicht mehr Klimaschutz bedeutet, sondern Haushaltsrettung. Die Bürger sollen nun informiert werden, nachdem alles beschlossen ist. Sie sollen beteiligt wirken, nachdem sie ausgeschlossen wurden. Sie sollen Vertrauen haben, nachdem Transparenz verweigert wurde. Und sie sollen glauben, dass es um Klimaschutz geht – obwohl die Stadt längst beschlossen hat, Windenergie als Einnahmequelle zu nutzen, um die eigenen Finanzlöcher zu stopfen.

Die geplanten Windenergieanlagen im Gebiet „Crivitz West“ sollen laut mea Unterlagen eine Leistung von jeweils 4,2 bis 7,2 Megawatt erreichen.- Moderne Windenergieanlagen dieser Größenordnung erzeugen jährlich rund 18 bis 20 Millionen Kilowattstunden Strom pro Anlage.- Nach dem neuen Bürger- und Gemeindenbeteiligungsgesetz muss der Betreiber der Stadt Crivitz jährlich 5.000 Euro pro Megawatt installierter Leistung anbieten – und denselben Betrag noch einmal für die Einwohnerinnen und Einwohner.

Man könnte fast meinen, die Stadt Crivitz habe eine neue Form der kommunalen Alchemie entdeckt: Man nehme drei Windräder, multipliziere sie mit sechs Megawatt Leistung, rühre einmal kräftig im neuen Bürgerbeteiligungsgesetz – und schon entstehen Einnahmen, die wie aus dem Nichts erscheinen. Zumindest dann, wenn man sich mit dem Vorhabenträger wohlwollend einigt. Denn das Gesetz sieht vor, dass Gemeinden 5.000 Euro pro Megawatt und Jahr erhalten – und die Einwohnerinnen und Einwohner noch einmal denselben Betrag. Eine moderne 6‑MW‑Anlage bringt damit 60.000 Euro jährlich, drei Anlagen also rund 180.000 Euro, vorausgesetzt, man unterschreibt eine Beteiligungsvereinbarung. Kommt keine Einigung zustande, fließt das Geld nicht etwa an die Stadt, sondern direkt an das Land MV. Dann kassiert das Land 7.500 Euro pro Megawatt, während Crivitz leer ausgeht. Besonders pikant wird es, wenn man bedenkt, dass Crivitz sich derzeit in der vorläufigen Haushaltsführung befindet, der Kassenkreditrahmen bereits im April um 600.000 Euro überschritten wird und die Stadt ohne genehmigten Haushalt eigentlich keine neuen finanziellen Risiken eingehen dürfte.

So entsteht der Eindruck, dass Windenergie in Crivitz weniger als Klimaschutzmaßnahme verstanden wird, sondern eher als eine Art kommunaler Geldautomat: Man steckt ein paar Megawatt hinein und hofft, dass am Ende genug herauskommt, um die Löcher im Haushalt zu stopfen – vorausgesetzt natürlich, man einigt sich mit dem Betreiber.

Heute, im April 2026, wird klar: Es ging nie nur um Windräder. Es ging nie nur um Energie. Es ging nie nur um Klimaschutz.Es ging – und geht – um Geld. Um leere Kassen. Um politische Kontrolle. Und um ein Projekt, das längst beschlossen war, bevor die Bürger überhaupt erfahren durften, worum es geht.

Fazit