29.Aug.-2026/P-headli.-cont.-red./502[163(38-22)]/CLA-338/27-2026

Die Überraschung, die keine sein dürfte!
Barnin sagt es als Erste: Wie Wessin III in die Region rutscht und der Windpark Crivitz‑Ost/Wessin auf 23 Anlagen wächst.
Es gibt Momente in der Kommunalpolitik, in denen man sich fragt, ob Transparenz ein seltenes Naturphänomen ist – vielleicht so selten wie ein Rotmilan, der noch ungestört über Wessin kreist. Der jüngste Vorgang rund um das Projekt „Wessin III“ gehört genau in diese Kategorie. Während die Bürger noch dachten, der Windpark Crivitz‑Ost/Wessin sei mit seinen 20 Anlagen „fertig“, taucht nun – fast beiläufig – die nächste Ausbaustufe auf: drei zusätzliche Windräder, die den Park auf insgesamt 23 Anlagen anwachsen lassen. Ein Vorgang, der nicht nur überrascht, sondern auch die Frage aufwirft, ob hier die bekannte Salamitaktik der Energieprojektierer zur kommunalen Kunstform erhoben wurde.

Denn die Erweiterung kommt nicht etwa als großer Wurf, offen angekündigt und breit diskutiert, sondern als Vorbescheid zur bauplanungsrechtlichen Zulässigkeit, versteckt in den Tiefen der Verwaltungsvorgänge. Verwaltungsrechtlich betrachtet ist das Verfahren korrekt – ein Vorbescheid nach § 73 LBauO M‑V ist ein übliches Instrument, um die planungsrechtliche Zulässigkeit eines Vorhabens vorab zu klären. Politisch betrachtet wirkt es jedoch wie ein „Testballon“, der erst dann sichtbar wird, wenn die betroffenen Gemeinden Stellung nehmen müssen. Und genau das passiert jetzt.
Die beteiligten Gemeinden – Transparenz und Schweigen
Zapel hingegen wirkt, als sei man noch im Sommermodus. Erst am 15. September 2026 wird dort wieder beraten. Dass auch Zapel eine Stellungnahme abgeben muss, ist klar — schließlich liegt das Flurstück 21 direkt im Bereich Zapel Hof. Doch die politische Realität ist eine andere: Die Gemeinde hat Haushaltsprobleme, ist Mitglied im Kommunalen Energieverband Ludwigslust‑Parchim (KEV‑LuP), wo man mit 0,38 % Stimmanteil zwar kaum Gewicht hat, aber dennoch Teil eines Systems ist und dürfte dem Projekt wohlwollend gegenüberstehen. Man könnte sagen: Zapel steht im Wind — finanziell wie politisch. Und so ist es nicht überraschend, dass die Transparenz dort eher zurückhaltend ausfällt.
Barnin hat den Vorgang als Erste öffentlich gemacht – ein bemerkenswerter Akt der Transparenz, der in der Region Seltenheitswert hat. In der Niederschrift vom 29. 06. 2026 heißt es nüchtern: „Die Gemeinde Barnin wird um eine Stellungnahme bis zum 13.07.2026 gebeten.“ Dahinter verbirgt sich jedoch ein Vorgang, der seit mindestens drei Monaten bekannt sein muss. Dass Barnin dies öffentlich macht, ist nicht nur löblich, sondern zeigt auch, dass man dort verstanden hat, was auf dem Spiel steht: neue Silhouetten am Himmel, neue Geräuschkulissen, neue Einnahmequellen – und neue politische Verantwortung. Barnin zeigt, dass man auch bei komplexen Energieprojekten den Mut haben kann, die Öffentlichkeit mitzunehmen. Vielleicht liegt es an der Nähe zum Umspannwerk Wessin, vielleicht an der Anfrage für einen Batteriespeicher, vielleicht an der Tatsache, dass Barnin ohnehin mitten im energetischen Geschehen steht — aber die Gemeinde beweist, dass Transparenz keine Schwäche ist, sondern eine Stärke.

Und Crivitz? Dort schweigt man. Das ist nicht ungewöhnlich, sondern fast schon traditionell möchte man sagen. Die Stadt hat ihre eigenen energiepolitischen Großbaustellen: die geplante Pyrolyseanlage, das Wärmenetz für die Neustadt und vor allem die drei kommunalen Windräder bei Krudopp, die eine Schlüsselrolle in der städtischen Energiepolitik spielen. Dass man sich zu „Wessin III“ bislang nicht äußert, passt ins Bild. Große Projekte werden in Crivitz gerne „woanders“ besprochen — und die Bürger erfahren davon erst, wenn die Bauzäune stehen. Die Stadt ist zwar Mitglied im KEV LuP, aber mit einem Stimmanteil von 0,77 % spielt sie dort keine gewichtige Rolle. Vielleicht ist es genau diese Mischung aus begrenztem Einfluss und eigenen Prioritäten, die das Schweigen erklärt.
So entsteht ein Gesamtbild, das man mit einem gewissen Sarkasmus so zusammenfassen könnte: Barnin informiert, Zapel wartet, Crivitz schweigt — und alle drei sind Teil desselben Energieverbands, der die Projekte am Ende ohnehin wohlwollend begleitet. Die Energiewende ist angekommen – nicht unbedingt im Herzen der Bürger, aber sehr deutlich in den Haushaltsplänen der Gemeinden. Drei neue Windräder, die künftig als zusätzliche Silhouette über Crivitz und Zapel stehen werden, sind nicht nur ein technisches Detail, sondern ein politisches Signal. Ein Signal, das zeigt, wie Entscheidungen getroffen werden, wer informiert wird – und wer nicht.

Mit „Wessin III“ beginnt also kein neues Kapitel der Energiewende, sondern ein neues Kapitel der kommunalen Realität: ein Projekt, das juristisch sauber, politisch geschickt und kommunikativ – nun ja – selektiv vorangetrieben wird. Wenn man die kommunale Landschaft rund um „Wessin III“ betrachtet, entsteht ein Bild, das so unterschiedlich ist wie die Gemeinden selbst. Während die einen die Öffentlichkeit informieren, als sei Transparenz ein selbstverständlicher Bestandteil kommunaler Verantwortung, verhalten sich andere so, als sei Schweigen eine Form der politischen Hygiene. Und mittendrin steht ein Projekt, das längst im Verfahren steckt — aber in der öffentlichen Wahrnehmung erst jetzt langsam auftaucht.
Hintergrund – Vom Plan zur Wirklichkeit
Bevor man versteht, warum „Wessin III“ plötzlich auf den kommunalen Tagesordnungen auftaucht, muss man sich die nüchterne Mechanik der Genehmigungsverfahren ansehen. Denn die drei neuen Windräder sind nicht etwa ein spontaner Einfall, sondern das Ergebnis eines Prozesses, der längst läuft — nur eben weitgehend ohne öffentliche Begleitung. Juristisch ist das korrekt: Ein Vorbescheid nach § 73 LBauO M‑V dient dazu, die bauplanungsrechtliche Zulässigkeit eines Vorhabens vorab zu prüfen. Ein Klassiker der Bauverwaltung — ein „Vorspiel“, bevor der eigentliche Bauantrag gestellt wird. Politisch hingegen wirkt es wie ein Vorgang, der erst dann sichtbar wird, wenn die betroffenen Gemeinden mit der Bitte um Stellungnahme konfrontiert werden. Und genau das ist jetzt passiert. Die Erweiterung betrifft das Windeignungsgebiet 48/21, das bislang 20 Windenergieanlagen umfasst. Mit „Wessin III“ sollen nun drei weitere Anlagen hinzukommen — die Nummern 21, 22 und 23. Die Standorte sind exakt definiert:

- Flurstück 21 in Zapel Hof,
- Flurstücke 319/6, 320/5 und 322 in Barnin.
Damit wächst der Windpark auf insgesamt 23 Anlagen. Wer die Region kennt, weiß: Das ist keine kosmetische Korrektur, sondern eine substantielle Erweiterung, die die Landschaft, die Sichtachsen und die Geräuschkulisse verändert. Die neuen Standorte liegen auf Höhenlagen zwischen 65 und 70 Metern über Normalnull, was bedeutet, dass die Windräder — mit einer Gesamthöhe von rund 300 Metern — künftig eine deutlich sichtbare Silhouette bilden werden. Besonders die Anlagen 22 und 23 auf Barniner Flurstücken rücken optisch näher an die Stadt Crivitz heran. Wer künftig vom Crivitzer See blickt, wird nicht mehr acht Windräder sehen, sondern elf — drei davon neu, höher und näher.

Landschaftsschutzgebiet Barnin und seine Eingriffsverträglichkeit
Genau hier berührt die Erweiterung also Wessin III erstmals das Landschaftsschutzgebiet, das die Region zwischen Barnin, Wessin und Crivitz prägt. Etwa 150 m nordwestlich des Plangebietes befindet sich das Landschaftsschutzgebiet „Waldgebiet bei Crivitz und Barniner See“.Die geplanten Anlagen stehen nicht irgendwo, sondern unmittelbar am Rand eines Schutzraums, dessen Zweck es ist, das Landschaftsbild, die Erholungsfunktion und die offene Weite der Seenlandschaft zu bewahren. Die Eingriffsverträglichkeit beschreibt, ob ein Vorhaben die Schutzgüter des LSG beeinträchtigt — insbesondere das Landschaftsbild und die Erholungsfunktion. Die neue Silhouette greift damit nicht nur in Sichtachsen ein, sondern verändert ein Gebiet, das eigentlich vor übermäßigen Eingriffen geschützt werden soll — ein Aspekt, der in den aktuellen Unterlagen erstaunlich leise bleibt.

Auch akustisch wird die Erweiterung spürbar sein. Die Untersuchungen sprechen von ca. 32 bis 35 Dezibel für Crivitz — ein Wert, der zwar unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte liegt, aber dennoch hörbar ist, bis hinein in den Hainbuchenweg und die Neustadt von Crivitz. Für Zapel Hof sieht es noch deutlicher aus: Die neue Anlage Nr. 21 wird dort mit bis zu ca. 40 Dezibel eine akustische Präsenz entfalten, die man nicht ignorieren kann. Auch in Barnin Hof dürfte die neue Geräuschkulisse spürbar sein. Man könnte sagen: Die Energiewende wird künftig nicht nur sichtbar, sondern auch hörbar — und zwar nicht nur im Haushalt der Gemeinden, sondern auch im Schlafzimmer der Anwohner.
Ökologische Realität – Die Natur als leise Hauptbetroffene!
Doch die eigentliche Brisanz liegt nicht in der Optik oder Akustik, sondern in der ökologischen Realität, die in den aktuellen Verfahren erstaunlich leise geworden ist. Denn während die kommunalen Gremien nun über Stellungnahmen beraten, liegt die Natur bereits seit Jahren auf dem Tisch — in Form umfangreicher, detaillierter Untersuchungen und Gutachten, die weit über die üblichen Potenzialanalysen der Investoren hinausgehen.



Diese Untersuchungen dokumentieren ein Gebiet, das kein technisches Baufeld, sondern ein ökologisches Geflecht ist: Greifvögel, Großvögel, Zugvögel, Fledermäuse — alle nutzen die Flächen zwischen Barnin, Wessin und Zapel Hof intensiv. Die Region ist ein Hotspot windkraftsensibler Arten, und die geplanten Standorte liegen mitten in den Hauptflugachsen.


In den Gutachten heißt es etwa: „Über einen Zeitraum von fünf Jahren wurden die Greifvogel- und Großvogelbestände vollständig erfasst.“ Die Ergebnisse sind eindeutig: Rotmilane, Schwarzmilan, Seeadler, Fischadler, Kraniche und Wiesenweihen nutzen die Flächen intensiv. Besonders die Barniner Standorte 22 und 23 liegen nur wenige hundert Meter vom Eichholz entfernt — einem Revierzentrum für Rotmilane und einem Flugkorridor für Seeadler.



Auch die Fledermausfauna ist betroffen — und zwar massiv. Die Kartierungen dokumentierten „18.371 Aufnahmen mit 302.049 Rufen“ und belegen, dass die Region ein Durchzugs- und Jagdgebiet für mindestens zehn streng geschützte Arten ist. Die naturschutzfachliche Bewertung spricht eine klare Sprache: „70 % der vorkommenden Fledermausarten und 99 % der dort fliegenden Individuen sind durch Tötung gefährdet.“

Die Nähe zu Wochenstuben — also jenen Sommerquartieren, in denen Fledermäuse ihre Jungen aufziehen — macht die Lage besonders kritisch. Die neuen Anlagen stehen nicht irgendwo, sondern mitten in einem Netz aus Quartieren, Flugrouten und Jagdgebieten, das in diesen Untersuchungen detailliert beschrieben wurde.


Doch genau diese Aspekte scheinen im aktuellen Verfahren nur noch am Rande aufzutauchen. Denn die neue Gesetzeslage zur Beschleunigung der Windenergie hat die naturschutzfachlichen Prüfungen spürbar verändert. Was früher mit der Lupe untersucht wurde, wird heute eher mit dem Fernglas betrachtet — und zwar aus respektvoller Distanz. Die Verfahren sind schneller geworden, die Prüfungen schlanker, die Detailtiefe geringer. Man könnte sagen: Die Natur wird weiterhin „berücksichtigt“, aber nicht mehr „durchdrungen“.


Die Unterlagen zeigen es deutlich: Es wird geprüft, ja — aber oft nur auf der Ebene von Potenzialanalysen, Rasterbewertungen und Standardabständen. Die feinen Linien, die das Gebiet prägen — die Flugschneisen der Seeadler, die Jagdrouten der Abendsegler, die Horstbereiche der Rotmilane — verschwinden zunehmend hinter pauschalen Bewertungsmatrizen. Die Gutachten mahnen: „Bei einem Fortbestehen der bestandsreduzierenden Einwirkungen ist eine Einstufung in Kategorie ‚Gefährdet‘ wahrscheinlich.“ Doch im beschleunigten Verfahren wirkt diese Zahl eher wie eine Fußnote als wie ein Warnsignal.

So entsteht ein Bild, das man mit einem gewissen Sarkasmus zusammenfassen könnte: Die Natur und der Artenschutz sind weiterhin vorhanden — aber im Verfahren nur noch als Kulisse. Mit „Wessin III“ wird also nicht nur ein Windpark erweitert, sondern auch die Frage gestellt, wie viel Natur und Artenschutz ein beschleunigtes Genehmigungsverfahren noch verträgt — und ob am Ende wieder jene Sondergenehmigungen und Ausnahmeentscheidungen erteilt werden, die durch Ausgleichszahlungen und Ersatzgeld in den Naturschutzfonds des Landes fließen, während die Bürger nur erfahren, dass „alles geprüft wurde“.

Zweckverbände und Genehmigungspraxis!
Hinzu kommt die Genehmigungspraxis der Landesbehörden, die sich durch neue Beschleunigungsgesetze spürbar verändert hat. Prüfungen, die früher mit der Lupe vorgenommen wurden, erfolgen heute eher mit dem Fernglas — und zwar aus respektvoller Distanz. Die Verfahren sind schneller geworden, die Detailtiefe geringer, die naturschutzfachliche Bewertung oft nur noch ein Raster, das ausgefüllt werden muss. Ausnahmen nach § 45 Abs. 7 BNatSchG und Ersatzgeld nach § 15 Abs. 6 BNatSchG sind längst Teil der Routine. Die Natur wird weiterhin „berücksichtigt“, aber nicht mehr „durchdrungen“. So entsteht ein Bild, das man mit einem gewissen Sarkasmus zusammenfassen könnte: Die Energiewende wird vor Ort verhandelt — aber nicht nur im Namen der Bürger, sondern auch im Interesse der kommunalen Stadt und Gemeindekassen und der administrativen Beschleunigung.

Diese Entwicklung fällt nicht zufällig mit der zunehmenden Rolle der Zweckverbände zusammen, die vielerorts als Motor der regionalen Energiewende auftreten. Der Kommunale Energieverband Ludwigslust‑Parchim (KEV‑LuP) ist dabei ein Beispiel für jene Strukturen, in denen technische Planung, wirtschaftliche Interessen und kommunale Haushaltslogik ineinandergreifen. Gemeinden mit minimalen Stimmanteilen — wie Zapel mit 0,38 % oder Crivitz mit 0,77 % — sind Teil eines Systems, das Projekte wie „Wessin III“ nicht nur begleitet, sondern faktisch vorantreibt. In dieser Gemengelage entsteht ein Verfahren, das weniger durch individuelle kommunale Abwägung geprägt ist, sondern durch administrative Routinen, die auf Beschleunigung ausgelegt sind. Die Frage, ob ein Projekt landschaftlich verträglich, ökologisch angemessen oder kommunal gewollt ist, tritt So entsteht ein Bild, das man mit einem gewissen Sarkasmus zusammenfassen könnte: Die Energiewende wird vor Ort verhandelt — aber nicht nur im Namen der Bürger, sondern auch im Interesse der kommunalen Stadt‑ und Gemeindekassen und der administrativen Beschleunigung.
Ein Verfahren, das längst läuft – und Gemeinden, die die Einnahmen sehen, bevor sie die Bürger hören!
Das Verfahren zu „Wessin III“ zeigt eine Entwicklung, die viele Bürger erst jetzt begreifen: Durch die aktuellen Beschleunigungsgesetze und die neuen Bewertungsregeln der Jahre 2024/2025 werden Windenergievorhaben heute so strukturiert, dass sie früh feststehen und spät sichtbar werden. Es liegen keine naturschutzfachlichen Vollgutachten vor, sondern lediglich allgemeine Potenzialanalysen, Datenbank‑Auszüge und standardisierte Rasterbewertungen, die im beschleunigten Verfahren als ausreichend gelten. Für die Region bedeutet das: Das Vorhaben ist längst in einer fortgeschrittenen Phase, die faktisch kaum noch aufzuhalten ist. Die entscheidenden Schritte sind gesetzt, die Standorte definiert, und die kommunalen Stellungnahmen sind nur noch ein formaler Zwischenschritt in einem Prozess, der weitgehend automatisiert abläuft.

Gerade deshalb ist Transparenz der Punkt, der jetzt zählt. Die Bürgerbeteiligung ist formal vorgesehen — aber ausschließlich über die Gemeindevertretungen und Stadtvertretungen. In der Theorie klingt das nach demokratischer Einbindung, in der Praxis bedeutet es: Wenn die kommunalen Gremien nicht informieren, bleibt die Bürgerbeteiligung ein höflich verpackter Formalakt, der zwar existiert, aber kaum Wirkung entfaltet. Und die Gemeinden haben ihre Rolle unterschiedlich ausgefüllt. Barnin informiert, Zapel wartet, Crivitz schweigt — und alle drei sind in wirtschaftliche Strukturen eingebunden, die ihre Haltung erklären. Die wirtschaftlichen Verflechtungen und die Aussicht auf zusätzliche Einnahmen aus Pachten, Beteiligungen und Ausgleichszahlungen schaffen eine Gemengelage, in der kritische Fragen schnell als „Störung“ empfunden werden. Man könnte sagen: Die Energiewende ist nicht nur ein ökologisches Projekt, sondern auch ein kommunaler Nebenhaushalt.
Ein Blick in den Energiesteckbrief zeigt zudem, dass weitere Projekte längst in Vorbereitung sind. Sogar für Crivitz tauchen dort Windradvorhaben auf, obwohl die öffentliche Debatte in der Stadt noch ganz woanders steht. Die Bürger erfahren davon erst jetzt — und nur, weil dieses Protokoll offengelegt wurde. Damit wird deutlich, dass die Region nicht nur vor einer technischen Erweiterung steht, sondern vor einer strukturellen Verschiebung: Entscheidungen fallen zunehmend in administrativen Netzwerken, während die öffentliche Debatte hinterherläuft. Transparenz ist deshalb nicht nur ein demokratischer Anspruch, sondern die Voraussetzung dafür, dass Bürger überhaupt verstehen können, was in ihrer Umgebung geplant ist — bevor die Fakten geschaffen sind.
Fazit:
Das Fazit fällt daher nüchtern aus: Die Region braucht Transparenz, bevor wirtschaftliche Interessen und beschleunigte Verfahren Fakten schaffen, die niemand mehr erklären kann. Nicht, weil die Projekte dadurch gestoppt würden — das erlauben die neuen Gesetzeslagen längst nicht mehr — sondern weil die Bürger ein Recht darauf haben zu wissen, was in ihrer Umgebung geplant ist, bevor die Entscheidungen endgültig sind.
Am Ende zeigt „Wessin III“ nicht nur die Erweiterung eines Windparks, sondern die Erweiterung einer kommunalen Realität: Verfahren laufen, Gemeinden reagieren unterschiedlich, und die Bürger erfahren vieles erst dann, wenn die Silhouette der Region sich bereits verändert.