15.Mai-2026 /P-headli.-cont.-red./484[163(38-22)]/CLA-320/09-2026

⭐ Dieses Schild spricht für sich. Es steht für das, was viele Bürger längst spüren: Pflegeplätze sind wichtig – aber sie ersetzen keine Notaufnahme.Der folgende offene Brief richtet sich an Frau Christine Klingohr, SPD‑Landtagskandidatin im Wahlkreis Crivitz und Vorsitzende des Haushalts‑, Finanz‑ und Beteiligungsausschusses im Landkreis Ludwigslust‑Parchim.
Er greift ein Thema auf, zu dem uns zahlreiche Zuschriften und Rückmeldungen aus der Bürgerschaft erreicht haben – ein Thema, das viele Menschen bewegt und das wir deshalb öffentlich aufgreifen. Dieser Brief beschreibt, warum die aktuelle Entwicklung mehr Fragen als Antworten hinterlässt – und warum es jetzt um Verantwortung, Ehrlichkeit und die Menschen geht, die hier in Crivitz und Umgebung leben und arbeiten.
👉 Lesen Sie den vollständigen offenen Brief unten.
⭐ Der offene Brief
Sehr geehrte Frau Klingohr,
Sie haben sich in Ihrer Funktion als SPD‑Landtagskandidatin im Wahlkreis Crivitz zu den aktuellen Entwicklungen am LUP‑Klinikum geäußert. Ihre Stellungnahme hat viele Menschen erreicht – und ebenso viele Fragen offengelassen. Gerade deshalb ist es wichtig, einige Punkte klar anzusprechen und die Perspektive der Bürgerinnen und Bürger deutlich zu machen.
Viele Zuschriften, Gespräche und Rückmeldungen von Bürgern zeigen: Die Menschen in Crivitz sind verunsichert. Sie fragen sich, was aus ihrer medizinischen Versorgung wird – und warum zentrale Strukturen verschwinden, ohne dass nachvollziehbare Antworten gegeben werden.
Die geplante Kurzzeitpflege ist zweifellos ein wichtiges Angebot für Menschen nach einem Krankenhausaufenthalt und für pflegende Angehörige. Niemand stellt den Wert dieses Projekts infrage.
Doch ebenso klar ist: Diese Investition beantwortet nicht die Fragen, die die Menschen in Crivitz seit Monaten bewegen – und sie löst kein einziges der strukturellen Probleme, die zur aktuellen Situation geführt haben.
Denn so bedeutsam Kurzzeitpflegeplätze auch sind: Sie ersetzen keine Notaufnahme, keine Diagnostik und keine Endoskopie.
Und sie ersetzen nicht die Notfall‑ und Grundversorgung, die Crivitz als Grundzentrum für über 5.000 Einwohner und wöchentlich mehr als 6.500 Einpendler dringend benötigt. Die Realität ist, dass die Erstversorgung im Notfall nicht mehr in Crivitz stattfindet, sondern in Parchim, Schwerin, Ludwigslust oder Hagenow – eine Tatsache, die die Menschen täglich spüren. Im Sinne der Glaubwürdigkeit wäre es hilfreich, zunächst die ganz praktischen Fragen zu klären – etwa die ausstehenden Schichtzuschläge der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der vergangenen Wochen. Eine funktionierende Versorgung beginnt nicht mit großen Worten, sondern damit, dass diejenigen, die sie tragen, korrekt und pünktlich bezahlt werden.
Ihre Formulierung, Veränderungen lösten „nicht nur Hoffnung, sondern auch Sorgen“ aus, klingt freundlich – aber sie bleibt abstrakt. Für viele Bürger wirkt sie wie ein Satz aus einem psychologischen Ratgeber, nicht wie eine Antwort auf die Frage, wie eine Region im Ernstfall medizinisch abgesichert sein soll.(Randbemerkung: Vielleicht stammt dieser Satz aus demselben Coaching‑Repertoire, mit dem die Belegschaft monatelang „gestärkt“ werden sollte – ein Programm, dessen Stil Sie vermutlich besser kennen als jeder andere.)
Doch die Sorgen der Menschen sind nicht emotionaler Natur, sondern strukturell: Sie fragen nicht nach Hoffnung, sondern nach Versorgung. Und diese Versorgung ist in zentralen Bereichen schlicht nicht mehr vorhanden.
In diesem Zusammenhang ist auch der Hinweis auf „neue Wege“ erklärungsbedürftig. Neue Wege sind sinnvoll – aber nur, wenn sie Versorgung verbessern, nicht abbauen. Eine Notaufnahme zu schließen und später Kurzzeitpflege zu eröffnen, ist kein „neuer Weg“, sondern eine Verschiebung von Verantwortung. Versorgung wird nicht gesichert, indem man zentrale Strukturen entfernt, sondern indem man sie erhält, stärkt und transparent weiterentwickelt.
Auch die Situation der Beschäftigten lässt sich nicht mit allgemeinen Hinweisen auf „Veränderungen“ erklären. Über Jahre hinweg wurde von schwieriger Arbeitsatmosphäre, mangelnder Kommunikation, Druck und hoher Fluktuation berichtet. Für die Qualität der Arbeitsatmosphäre und die Stabilität der Personalbindung trägt nicht das Personal Verantwortung, sondern das Management. Nach arbeitsrechtlichen und betriebswirtschaftlichen Grundsätzen ist sie verpflichtet, durch klare Führungsstrukturen, transparente Kommunikation und eine funktionierende Personalentwicklung ein Umfeld zu schaffen, das Motivation, Gesundheit und Verbleib der Beschäftigten fördert. Werden diese Grundlagen vernachlässigt, entstehen Belastung, Unsicherheit und hohe Fluktuation – nicht durch individuelles Fehlverhalten, sondern durch strukturelle Führungsdefizite. Diese Ursachenforschung wurde nie transparent betrieben, nie politisch eingefordert und nie öffentlich beantwortet.
Dass viele Ärztinnen und Ärzte das Haus verlassen haben, ist kein Zufall – und auch kein Thema, das man im Wahlkampf gern anspricht. Aber es bleibt ein wesentlicher Teil der Wahrheit.
Ebenso ungeklärt ist die Frage, was aus den Investitionsmitteln geworden ist, die beim Übergang zur Rekommunalisierung angekündigt wurden. Insbesondere die für den Ausbau der Notaufnahme vorgesehenen und beantragten Mittel werfen bis heute erhebliche Fragen auf. Die Menschen in Crivitz möchten nachvollziehen können, warum eine Notaufnahme geschlossen wurde, obwohl zweckgebundene Gelder für ihre Modernisierung und Erweiterung zugesagt waren – und weshalb bis heute nicht transparent dargelegt wurde, wie diese Mittel verwendet oder umgewidmet wurden. Diese Fragen stehen seit Jahren im Raum, sie betreffen öffentliche Gelder und damit öffentliche Verantwortung – und dennoch wurden sie bis heute nicht beantwortet.
Es ist gut, dass der Standort des Krankenhauses in Crivitz als Arbeitgeber erhalten bleibt.
Aber ebenso wichtig ist die Ehrlichkeit gegenüber den Menschen: Eine Notaufnahme lässt sich nicht durch positive Worte zurückholen. Eine Diagnostik entsteht nicht durch Wahlkampfenergie. Eine Endoskopie kehrt nicht durch politische Hoffnung zurück. Pflegeplätze sind wichtig – aber sie ersetzen keine medizinischen Strukturen, die für die Sicherheit einer ganzen Region unverzichtbar sind.
Crivitz braucht Perspektiven – und vor allem Gewissheit. Gewissheit, dass Kinder, ältere Menschen und Familien hier wieder eine verlässliche medizinische Erstversorgung finden können. Eine Notaufnahme ist kein Luxus, sondern ein Grundpfeiler der Versorgung des ländlichen Raums in Mecklenburg‑Vorpommern. Allein die Tatsache, dass man sie von heute auf morgen verlegt und damit für Crivitz begräbt, ist keine Lösung – sondern ein Rückschritt.
Wie bei der Rekommunalisierung muss auch jetzt der Weg geschaffen werden, die Möglichkeit zur Wiedereröffnung der Notaufnahme zu prüfen und politisch zu ermöglichen. Die Menschen brauchen keine Beruhigungssätze, sondern konkrete Schritte für die Zukunft.
Nur wer die Realität anerkennt, kann Lösungen entwickeln.
Und die Realität ist: Die Region hat nicht zu viel Sorge, sondern zu wenig gesicherte Notfall‑ und Grundversorgung.
Mit freundlichen Grüßen
Das Redaktionsteam